Starkes Zeichen: Innerhalb von nur acht Monaten haben 110'000 Stimmberechtigte die Volksinitiative unterschrieben, die für Verding- und Heimkinder, administrativ Versorgte, Zwangssterilisierte und Zwangsadoptierte finanzielle Wiedergutmachung fordert. Hinter der Initiative, die auch vom Beobachter unterstützt wird, stehen die Guido-Fluri-Stiftung, ein überparteiliches Komitee, Historiker und Opfer.

Die Initiative fordert eine Entschädigung von gesamthaft 500 Millionen Franken. Dieser Betrag ist explizit nicht als Soforthilfe für Betroffene gedacht, die heute unter prekären Bedingungen leben. Vielmehr soll er allen Opfern zugutekommen, unabhängig von ihren finanziellen Verhältnissen – ausgerichtet vom Bund, als Anerkennung des oft über Jahre erlittenen massiven Unrechts.

25'000 Franken pro Opfer

Über die Höhe der Entschädigung würde eine unabhängige Kommission von Fall zu Fall entscheiden. Fürstliche Summen gäbe es für die Betroffenen bei Annahme der Volksinitiative allerdings dennoch nicht. Gemäss Schätzungen leben heute noch mindestens 20'000 Opfer. Würde man die halbe Milliarde auf sie verteilen, blieben pro Kopf 25'000 Franken – oder fünf Monatslöhne à 5000 Franken. Zum Vergleich: Wird einem Arbeitnehmer missbräuchlich gekündigt, spricht ihm das Gericht in der Regel eine Entschädigung zwischen zwei und sechs Monatslöhnen zu.

Eidgenössische Volksinitiative «Wiedergutmachung für Verdingkinder und Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen (Wiedergutmachungsinitiative)»

Die Bundesverfassung  wird wie folgt geändert:

Art. 124a
Wiedergutmachung für die Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen

1 Bund und Kantone sorgen für die Wiedergutmachung des Unrechts, das insbesondere Heimkinder, Verdingkinder, administrativ versorgte, zwangssterilisierte oder zwangsadoptierte Personen sowie Fahrende aufgrund fürsorgerischer Zwangsmassnahmen oder Fremdplatzierungen erlitten haben.

2 Sie sorgen für eine unabhängige wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Massnahmen und fördern die Diskussion darüber in der Öffentlichkeit.

Art. 196 Ziff. 122     
12. Übergangsbestimmung zu Art. 124a (Wiedergutmachung für die Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen) 
  

1 Der Bund errichtet einen Fonds in der Höhe von 500 Millionen Franken für die Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen, die vor dem Jahre 1981 vorgenommen wurden.

2 Anspruchsberechtigt sind Menschen, die von solchen Massnahmen unmittelbar und schwer betroffen waren. Die Höhe der Wiedergutmachung richtet sich nach dem erlittenen Unrecht. Über die Ausrichtung der Leistungen entscheidet eine unabhängige Kommission.

3 Der Fonds wird zwanzig Jahre nach seiner Errichtung aufgelöst. Ein allfälliger Restbetrag wird den Einlegern anteilsmässig rückerstattet.

1 SR 101

2 Die endgültige Ziffer dieser Übergangsbestimmung wird nach der Volksabstimmung von der Bundeskanzlei festgelegt.

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