Ein Beispiel macht Schule: Letztes Jahr bat Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf in Hindelbank bei den administrativ Versorgten um Entschuldigung für das Unrecht, das der Staat ihnen angetan hatte. Bis 1981 hatten Vormundschaftsbehörden Menschen ohne Urteil weggesperrt, nur weil sie als liederlich, verwahrlost oder arbeitsscheu galten. Der ­Beobachter, der die Fälle publik gemacht hatte, forderte einen vergleichbaren Anlass auch für Verdingkinder, Zwangssterilisierte und misshandelte Heimkinder (siehe Artikel zum Thema).

Diese Forderung findet nun Gehör. «Der Bundesrat ist bereit, eine ähnliche Veranstaltung auch für die Verdingkinder zu organisieren», schreibt er zu einem Vorstoss von SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr. Und gibt zu, dass es bei fremdplatzierten Kindern auch heute noch gros­sen Handlungsbedarf gebe: «veraltete Pflegekinderverordnung, die den Kantonen zu viel Raum lässt, häufig mangelnde Professionalität, fehlende Statistiken und lückenhafte historische Aufarbeitung des Pflegekinderwesens».

Offen bleibt, ob auch Zwangssterilisierte und misshandelte Heimkinder bald mit einer vergleichbaren Entschuldigung rechnen können. Der Beobachter bleibt dran.