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ZwangsmassnahmenSolidarität mit den Betroffenen zeigen

Zahlreiche Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Gesellschaft stellen sich hinter die Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen, die ab 12. Juni zur Uno nach Genf marschieren. Jeder ist eingeladen, am Solidaritätsmarsch teilzunehmen.

Max Hubacher spielte die Hauptrolle in «Der Verdingbub». Bild: «Der Verdingbub», Ascot Elite
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Klicken Sie rechts im Bild auf die Lupe, um die Statements prominenter Persönlichkeiten zu lesen.

Der kommende 1. August ist ein wichtiger Tag für Tausende von Menschen, die bis Anfang der achtziger Jahre ohne Gerichtsurteil in Gefängnissen und Anstalten weggesperrt wurden. Dann tritt jenes Bundesgesetz in Kraft, mit dem die Schweiz anerkennt, dass der Staat ihnen Unrecht angetan hat. Administrativ Versorgte sind damit rehabilitiert, eine unabhängige Kommission wird dieses Thema wissenschaftlich aufarbeiten.

Nur: Es gibt eine Reihe weiterer Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen, die bis heute darunter leiden, dass sie vom Staat als «arbeitsscheu» betitelt wurden und angeblich ein «liederliches Leben» führten. Sie wurden ohne ihr Wissen sterilisiert, man nahm den Müttern gleich nach der Geburt das Kind weg und gab es zur Adoption frei. Oder man verdingte Tau­sende von Kindern armer Familien auf Bauernhöfen. All diesen Betroffenen soll der Staat eine Wiedergutmachung leisten und sie finanziell entschädigen. Dazu lancierte ein überparteiliches Komitee mit dem Beobachter die Wiedergutmachungs­initiative. Innert acht Wochen kamen über 45'000 Unterschriften zusammen.

Betroffene und Sympathisanten machen sich am 12. Juni zu Fuss auf dem Weg zum Sitz der Uno in Genf, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Von Bern führt der Solidaritätsmarsch über mehrere Stationen in die Westschweiz. Zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Gesellschaft solidarisieren sich mit den Opfern und unterstützen die Forderung nach einer finanziellen Entschädigung.

Der Marsch gibt der Bevölkerung die Gelegenheit, ebenfalls am Schicksal der Verdingten und Weggesperrten Anteil zu nehmen. Der Schriftsteller Lukas Hartmann sagt dazu: «Die Wiedergutmachungsinitiative zeigt, dass unser Land fähig ist, aus Fehlern zu lernen.»

Solidaritätsmarsch: Prominente setzen ein Zeichen

Prominente zu Zwangsmassnahmen

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Lukas Hartmann, Schriftsteller: «Meine Gross¬mutter war ein Verdingkind. Einer meiner Freunde war ein Verdingkind. Ich weiss, 
wie schwierig es für sie war, sich 
einen gesicherten Platz in der 
damaligen Schweiz zu erkämpfen. 
Sie haben es 
geschafft. Tausende nicht. Die Wiedergut¬machungsinitiative zeigt, dass unser Land fähig ist, aus Fehlern zu lernen.» (Bild: Regine Mosimann/Diogenes Verlag)

Solidaritätsmarsch: Setzen auch Sie ein Zeichen

Der Solidaritätsmarsch für Verdingkinder und Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen startet in Bern und führt über mehrere Etappen nach Genf, wo der Uno eine Petition überbracht wird. Die Betroffenen werden in Bern auf den ersten Schritten von verschiedensten Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Gesellschaft begleitet. Setzen auch Sie ein Zeichen der Solidarität und laufen Sie irgendwo auf ihrem Weg ein Stück weit mit.

Weitere Infos: Solidaritätsmarsch
Flyer: downloaden (PDF)

Weitere Infos zum Thema Fürsorgerische Zwangsmassnahmen

Beobachter-Dossier «Zwangsmassnahmen»:
www.beobachter.ch/initiative

Wiedergutmachungsinitiative:
www.wiedergutmachung.ch

Unterschriftenbogen

Unterschriftenbogen klein (3 Unterschriften; PDF)
Unterschriftenbogen gross (10 Unterschriften; PDF)

Soforthilfefonds

Notleidende Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen können seit Anfang Juni Unterstützung aus einem Soforthilfefonds beantragen. Die Formulare gibt es unter http://www.fuersorgerischezwangsmassnahmen.ch/index.html.
Veröffentlicht am 06. Juni 2014