1. Home
  2. Wirtschaft
  3. Agrarlobby: Syngenta verbreitet ­falsche Papst-Botschaft

AgrarlobbySyngenta verbreitet ­falsche Papst-Botschaft

Wegen eines fragwürdig zusammengeschnittenen Videos steht der Agrochemie-Multi Syngenta in der Kritik.

Auf fragwürdige Art zusammengeschnitten: Videobotschaft des Papstes
von

Bereits zum zehnten Mal traf sich Ende März die Crème de la Crème der europäischen Agrarlobby in Brüssel zum Forum for the Future of Agriculture. Organisiert wird der Anlass jeweils gemeinsam von der europäischen Vereinigung der Grundbesitzer und vom Basler ­Agrochemie-Multi Syngenta.

Dieses Jahr liessen sich die Veranstalter etwas ganz Besonderes einfallen. Über die Grossleinwände im Saal flimmerte zu Beginn «eine spezielle Grussbotschaft des Pontifex an die Teilnehmer». Zu schwülstiger Musik und schönen Bildern, auf denen neben unberührten Landschaften auch auffällig viele landwirtschaftliche Grossbetriebe zu sehen sind, betonte Papst Franziskus die Wichtigkeit der Landwirtschaft und rief dazu auf, die Erde «zu bewahren und zu verbessern».

Anzeige

Die vermeintliche Video-Botschaft des Pontifex

Die lobbykritische Organisation Corporate Europe Observatory (CEO) jedoch traute der Grussbotschaft nicht. Mitarbeitende von CEO analysierten das Video und stellten bald einmal fest, dass die Aussagen des Papstes aus diversen Predigten und Ansprachen zusammengeschnitten und mit Bildern unterlegt worden waren. Auf Nachfrage von CEO weigerten sich die Organisatoren des Forums, zu sagen, wer das Video bestellt und bezahlt hatte.

Die zusammengeschnipselte Grussbotschaft sei «hoch manipulativ», kritisiert CEO auf seiner Web­site. Syngenta will zu den Vorwürfen nicht Stellung nehmen und verweist auf die Vereinigung der Grundbesitzer. Dort erklärt eine Sprecherin, alles sei «korrekt abgelaufen». Man habe für die Verwendung der Videos eine Bewilligung des Vatikans gehabt.

Die wahre Botschaft ging unter

In der Begeisterung der Forumsteilnehmer über die Videobotschaft ging ein von einem Sprecher anschliessend verlesener Brief des Papstes fast unter. Es gelte primär, «die Situation weniger entwickelter Völker nicht zu verschlechtern und ihre Abhängigkeit von anderen nicht zu erhöhen», so der Pontifex – eine Mahnung, die klar an die Grossgrundbesitzer und die Agrochemie-Multis gerichtet war. Ob sie ankam, ist unklar. Schliesslich ist diesen Kreisen offenbar nicht einmal der Papst heilig. 

Veröffentlicht am 10. April 2017

Bitte melden Sie sich an, um zu diesem Artikel zu kommen­tieren.

2 Kommentare

Sortieren nach:Neuste zuerst
Peter Lobser
"Crème de la Crème"?? Dass Lobbyisten lügen, betrügen und manipulieren ist allmählich für jedenman augenfällig. Zur selben scheinheiligen Sorte Mitmenschen gehören viele Politiker.
Urs Lachenmeier
Eine durchsichtige Gaunerei! Dass Syngeta einen solch verlogenen Zusammenschnitt verwendet zeigt, was dieser und andere Konzerne unter Information bzw PR verstehen. Halbwahrheiten oder Lügen gehören dort zum normalen Geschäft. Geschäft ist Geschäft, Lügen und Kolleateralschäden gehören dazu... :-( Nur mit der Umstellung auf ökologische Prinzipien kann die wachsende Weltbevölkerung noch ernährt werden. http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/w-wie-wissen/videos/bio-fuer-alle-100.html