Das Motto «Menschen helfen Menschen» der Altkleidersammlung hat für zwei ehemalige Mitarbeiter einen faden Beigeschmack. Sie waren bis vor kurzem Angestellte der Firma Tell-Tex GmbH im aargauischen Safenwil. Ihre Aufgabe: neue Container-Standplätze suchen für Kleiderspenden zugunsten der Berghilfe, des Kinderdorfs Pestalozzi, des Schweizerischen Invalidenverbands und der Vereinigung der Gelähmten. Ein Teil ihres Lohns sei ihnen vorenthalten worden, klagten die beiden und forderten vor Arbeitsgericht rund 40’000 Franken. Als der Beobachter die Firma um eine Stellungnahme bat, einigte sich diese postwendend mit einem der Angestellten - unter einer Bedingung: Er musste sämtliche Vorwürfe zurückziehen.

Im Familienunternehmen Tell-Tex mit Gisela Pleuss als Geschäftsführerin, Tochter Natalie als Stellvertreterin und Sohn Frank als Geschäftsleitungsmitglied hat man Erfahrung mit Kündigungen - zumindest Frank Pleuss, gegen den in Deutschland ein Strafverfahren hängig ist. Im Herbst 2003 übernahm er ein Fitnesscenter in Bremen und kündigte sogleich mehreren Mitarbeitern. Diese fochten ihre Kündigung an und erstritten Abgangsentschädigungen.

Gegen aussen tritt Tell-Tex unter den wohlklingenden Namen der vier Hilfswerke auf. Im Gegenzug werden diese am Gewinn beteiligt - letztes Jahr mit knapp 700’000 Franken. Doch trotz alarmierenden Signalen wollen die Hilfswerke nicht intervenieren. «Die arbeitsrechtlichen Streitfälle betreffen die Firma Tell-Tex und ihre ehemaligen Mitarbeiter», sagt Stéphane Gay-Lang, zuständig für die Koordination der Kleidersammlung.

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