Leserfrage 1: «Mit dieser Situation komme ich nicht mehr klar»

Wir sind ein kleines Unternehmen mit 7 Angestellten, 6 Frauen und der Chef, ein Mann. Ich bin unter anderem für die Büroorganisation und das Personal zuständig. Mein Chef lässt mir absolut freie Hand. Ich bestimme Sachen, die er eigentlich zu entscheiden hätte, aber das ist nicht das Problem.

Das Problem ist, dass ich nie offiziell als Teamleiterin ernannt wurde. So kann ich auch nichts gegen die ständigen Frauen-Zickereien unternehmen. Einige nehmen sich alles raus und machen, was sie wollen. Der Chef sagt nie etwas dazu, schüttelt nur ab und an mal den Kopf und meint: «Wahnsinn». Das war's dann aber auch. Es liegt bei uns immer eine Unruhe und Anspannung in der Luft, weil sich alle wegen der anderen nerven. Ich komme immer weniger mit dieser Situation klar. Was kann ich nun als Pseudo-Teamleiterin tun, wenn der Chef bestimmt nichts tut?

Antwort von Claude Heini:

Es scheint, dass in Ihrem Betrieb zwei Herausforderungen zu bewältigen sind: 

  1. Das direkte Ansprechen von heiklen Themen und vor allem ungünstigen Verhaltensweisen.
  2. Das Schaffen von Klarheit bezüglich Rollen, Aufgaben und Verantwortlichkeiten.

Die Empfehlung wäre, beide Themen in Ruhe mit dem Chef dahingehend zu besprechen, dass das Interesse der Firma im Vordergrund steht. Aus der Sicht eines Unternehmens steigt bei fehlender Klärung das Risiko, dass gute Leute mit Schlüsselfunktionen (zum Beispiel Sie) die Firma verlassen und dass das Klima die Arbeitseffektivität und -effizienz nachhaltig beeinträchtigen. Das kostet am Ende Geld!

Versuchen Sie, von beiden Seiten das Gegenüber zuerst zu verstehen, die jeweils andere Perspektive nachzuvollziehen, um dann gemeinsam zu sehen, was positive Veränderungen wären und was jeder dazu beitragen kann. Ihrem Chef würde ich empfehlen, Ihre Rolle öffentlich klar zu kommunizieren und Ihre Kompetenzen (auch Grenzen) dazu. Anderseits sollte er seine Verantwortung als Chef tatsächlich mehr wahrnehmen. Er manövriert Sie so in eine Zwickmühle, die weder ihm noch Ihnen wirklich etwas bringt.

Leserfrage 2: «Der neue Chef bringt alles durcheinander»

Seit Jahren bin ich gewohnt, selbstständig zu arbeiten. Die Arbeiten sind zur Zufriedenheit aller ausgeführt worden. Jetzt haben wir, die Sachbearbeiter und ich, im «Technischen Bereich» einen Teamleiter erhalten. Diese Stelle wurde neu geschaffen und von einem Externen besetzt. Seither bin ich nur noch als Vermittler zwischen ihm und verschiedenen Abteilungen und Personen innerhalb des Betriebs tätig.

Sehr anstrengend ist es, weil er von gewisser Materie und Abläufen keine Ahnung hat, die ich in all den Jahren gelernt habe. Zwischendurch lässt man aber auch durchblicken, dass ich der Chef bin, und meinen Anweisungen demnach Folge zu leisten sei. Das hat natürlich schon zu Konflikten geführt, da wir im Gespräch mit ihm erwähnt haben, dass wir dazu nicht bereit seien. Im Team untereinander funktionieren wir ziemlich gut, aber das war vor seiner Zeit schon so.

Fazit: Es ist ein Defizit von Kommunikation, Führung und Organisation vorhanden, was immer wieder ein Mitarbeiter ausgleichen muss. Auch die Bürotüre ist bewusst nur halb offen. Man hat immer das Gefühl, man sei nicht willkommen. Hier stellt sich die Frage, was macht man am besten in so einem Fall?


Antwort von Claude Heini:

Ich würde vermuten, dass sich der neue Teamleiter seinerseits nicht besonders wohl fühlt – unter anderem auch, weil er vielleicht selber spürt, welches Wissen ihm fehlt, das andere haben. Ich würde empfehlen, das Gespräch zu suchen, ihn als Teamverantwortlichen zu akzeptieren und zu stärken, gleichzeitig auf höfliche Art auszudrücken, wie er in seiner Rolle die gemeinsamen Ziele und Interessen unterstützen kann.

Ebenso würde ich ihn fragen, was ihm am meisten helfen würde von Seiten der Mitarbeiter. Entscheidend scheint mir, dass Sie sich gegenseitig respektieren und nach gemeinsam getragenen Lösungen suchen. Sonst verschärft sich das Klima, was niemandem wirklich etwas bringt.

Leserfrage 3: «Meine Chefin schwärzt Kolleginnen an»

Meine Vorgesetzte behandelt sensible persönliche Informationen über Angestellte nicht vertraulich. Sie setzt sie gezielt ein, um unliebsame Angestellte bei den anderen schlecht zu machen und deren Position im Team zu schwächen. Ist ein solches Vorgehen erlaubt? Wie können sich Angestellte dagegen wehren?

Antwort von Claude Heini:

Mindestens ist dieses Verhalten schlechtes Führungsverhalten. Es zeugt meistens von der Schwäche und tieferen Unsicherheiten seitens der Führungsperson. Denn offenbar sieht sie keinen anderen Weg, um positiv Einfluss zu nehmen.

Meine Empfehlung wäre: Wenn möglich bei Gelegenheit ansprechen. Wenn dies nicht geht, sollte entweder der nächste höhere Vorgesetzte oder die Personalfachperson kontaktiert werden. In jedem Fall ist auch zu empfehlen, genau zu beobachten und Fakten zu sammeln. Diese können später im Konfliktfall als Belege benutzt werden.

Im schlimmsten Fall gibt es immer noch die Möglichkeit, sich eine andere Arbeitsstelle zu suchen und beim Abgang der Personalabteilung oder dem Personalchef die Gründe dafür zu nennen.

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Leserfrage 4: «Ich habe Mühe mit jüngeren Chefs»

Wenn alles so einfach wäre: Inkompetente Chefs gibt es genug, die nur delegieren – aber helfen können Sie nicht. Die immer eine dritte Person zuziehen und nicht selber entscheiden – oder in die Ferien gehen, wenn Wichtiges ansteht. Dazu kommt noch der Generationen-Konflikt. Ich bin 60-jährig, meine Chefs 30 bis 40, und Sie erfinden das Rad ständig neu. Ist das normal? Was kann ich tun?

Antwort von Claude Heini: Viele Vorgesetzte sind sich kaum bewusst, was Sie mit Ihrem Verhalten anstellen und im negativen Sinn «verwirken». Oft ist das geschilderte Verhalten Ausdruck eigener Unsicherheit, fehlender Reife und Erfahrung oder sogar die Folge davon, dass jemand gar nicht wirklich gerne andere Menschen führt.

Ich empfehle einerseits selber Verständnis zu entwickeln – ich weiss, das tönt etwas komisch. Wenn ein Chef merkt, dass Mitarbeitende ihn kritisch ansehen, wird das genannte Verhalten nochmals verstärkt. Ich würde also Signale geben, dass ich den Chef in seiner Rolle grundsätzlich akzeptiere. Anderseits würde ich, wenn möglich, die Themen und Verhaltensweisen ansprechen, welche Ihnen das Arbeiten am meisten erschweren.

Zeigen Sie ruhig die Konsequenzen an Beispielen auf und machen Sie konstruktive Vorschläge. Sie können eher sich selber verändern als den Chef.

Leserfrage 5: «Mein Chef kennt mich gar nicht»

Immer am Jahresende habe ich das MAG mit meinem Chef. Das Problem ist, dass er über mich praktisch nichts sagen kann. Er kennt mich im Prinzip gar nicht. Wir sind ein ziemlich grosses Team und ich einfach ein «normaler» Angestellter, der operativ tätig ist, ohne strategische Aufgaben. Er muss immer meine Mitarbeiter konsultieren, um überhaupt so etwas wie ein Arbeitszeugnis schreiben zu können. Ist das sinnvoll? Und wie komme ich näher an meinen Chef heran?


Antwort von Claude Heini:

Die Frage ist, ob es für Sie und den Chef überhaupt Möglichkeiten gäbe, dass er in Zukunft mehr von Ihnen erfährt und weiss. Wenn ja, dann könnten Sie im nächsten Gespräch andeuten, dass Sie es schade finden, dass Sie ihn wenig sehen und es schätzen würden, wenn er als wichtige Bezugsperson ab und zu vorbei schaut oder mit Ihnen spricht.

Wenn das nicht möglich ist, können die Informationen der Kollegen ja durchaus wertvoll sein. Dann müssten Sie sehen, dass diese so gut wie möglich informiert sind und dies dann auch in Ihrem Interesse weiter geben.

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