Anita Kuster erinnert sich amüsiert an ihren Jobwechsel im letzten Jahr: «Als erstes musste ich mir neue Kleider kaufen.» Kein Wunder, bisher arbeitete sie immer in der SBB-Uniform.

Als Betriebsdisponentin verkaufte sie neun Jahre lang Tickets hinter dem Bahnschalter. Doch das Arbeitsklima auf dem Bahnhof wurde schwieriger.

«Da die Weisungen von oben immer wieder wechselten, waren wir alle verunsichert», erklärt die 27-Jährige. So arbeiteten die Teammitglieder mehr gegeneinander als miteinander, man konnte niemandem mehr trauen. Alle bangten um den Arbeitsplatz. «Plötzlich verschwanden Notizen; ich weiss bis heute nicht, wer mir da Streiche gespielt hat», sagt Kuster. Gleichwohl harrte sie über ein Jahr unter diesen Umständen aus: «Ich fühlte mich sehr stark mit den SBB verbunden und dachte, ich könnte in der Privatwirtschaft nicht bestehen.»

Heute ist Anita Kuster froh, den Absprung geschafft zu haben. Beim TCS arbeitet sie in einem kleinen Team und erhielt schon nach einem halben Jahr mehr Kompetenzen. «Das hätte es bei den SBB nie gegeben, und schon gar nicht für eine Frau», sagt sie. Für die ehemalige Bahnbetriebsdisponentin ist klar: Das gute Arbeitsklima und die neuen Perspektiven machen die Lohneinbusse von 20 Prozent bei weitem wett.