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Früher bewegte sich der Mensch jagend durch die Natur. Heute hockt er bis zu 80 Prozent der Zeit in geschlossenen Räumen – aus dem grünen Wald in den grauen Betonbunker. Das geht nicht spurlos an uns vorüber: Häufiges Resultat von überheizten und ungelüfteten Räumen sind trockene Augen, Kopfschmerzen und juckende Haut. Mit etwas Grün liessen sich viele Leiden lindern oder gar verhindern.

Pflanzen haben in vielerlei Hinsicht eine positive Wirkung. Als wichtigste gilt die auf unsere Psyche. In zuvor karg eingerichteten Büros soll eine Pflanze pro Quadratmeter die Produktivität der Angestellten um bis zu 15 Prozent steigern. Die Probanden der anderthalb Jahre dauernden britischen Studie hielten sich mit einer Pflanze im Blickfeld für konzentrierter und fühlten sich allgemein wohler. Die Forscher vermuten, die Arbeitnehmer würden durch die Pflanzen körperlich, geistig und emotional besser auf die Arbeit eingestellt.

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Auch Moritz Küderli, Leiter der Zürcher Firma Hydroplant, ist überzeugt: «Menschen verbinden mit Grün Natur und fühlen sich deshalb im grünen Büro wohler.»

Aus wissenschaftlicher Sicht ist die unbewusst positive Reaktion auf die Farbe Grün ein Überbleibsel aus der Evolution. Früher spielten Pflanzen eine Hauptrolle im Leben, sie waren Hinweis auf Wasservorkommen, dienten als Baumaterial, Nahrung und Medizin. Bis heute haben wir wohl deshalb eine Affinität zum Grünen – so sind wir auch in der Lage, rund 2000 Grüntöne zu unterscheiden, aber nur wenige Rottöne.

Was gegen dicke Luft hilft

Es gibt noch weitere Gründe für ein Stück Natur auf oder neben dem Pult. Für Küderli besteht ein Vorteil darin, dass Pflanzen die Luft befeuchten: «Die bewusste Begrünung kann gar ­eine Befeuchtungsanlage ersetzen.» Die ideale Luftfeuchtigkeit im Büro beträgt zwischen 40 und 60 Prozent. Wenn die Luft zu trocken ist, droht man schneller zu erkranken. Trockene Luft entzieht allem die Feuchtigkeit – auch dem Menschen: Die Nasenschleimhaut trocknet aus, und Bakterien können leichter in den Körper dringen. Die richtigen Pflanzen, korrekt gegossen, können die Luftfeuchtigkeit um bis zu 15 Prozent erhöhen.

Je grösser das Blattvolumen einer Pflanze, desto mehr Feuchtigkeit gibt sie an die Umgebung ab. Pflanzen, die langsam wachsen oder nur wenig Wasser benötigen, eignen sich nicht zur Raumbefeuchtung, schnell wachsende, satt strotzende hingegen schon.

Pflanzen sind auch perfekte Luftfilter. Sie absorbieren Schadstoffe und setzen Sauerstoff frei. Während der Fotosynthese nehmen sie zudem Kleinstmengen an Formaldehyd auf, ein Gas, das aus Holzmöbeln, Bodenbelägen oder Teppichen entweicht.

«Viele Pflanzen haben Mechanismen, um Schadstoffe in ihren Zellstrukturen zu isolieren, ohne selbst Schaden zu nehmen», sagt Peter Enz, Leiter des Botanischen Gartens der Universität Zürich.

Schneller, produktiver, fitter

Je aktiver die Fotosynthese einer Pflanze ist, desto mehr Schadstoffe werden aus der Luft aufgenommen. Schnell wachsende Pflanzen bauen Schadstoffe deshalb besonders gut ab. Es braucht aber eine mittelgrosse Pflanze pro Person, um überhaupt vom Filtereffekt zu profitieren.

Die Forscher konnten belegen, dass in massiv begrünten Büroräumen Symptome wie Husten, Halsreizungen und trockene Augen um rund 30 Prozent zurückgegangen sind.

Und schliesslich sind Pflanzen auch Staubbinder. Damit sie Staubpartikel aufnehmen können, müssen die Pflanzenblätter aber regelmässig gereinigt werden. Bei grösseren Blättern eignet sich dafür ein feuchtes Tuch, kleinere Pflanzen können auch unter ­einem feinen Wasserstrahl abgeduscht werden.

Bei so vielen Vorzügen ist es also sinnvoll, nicht nur in den eigenen vier Wänden einen kleinen Dschungel anzulegen, sondern auch dort, wo man die meiste Zeit des Tages verbringt: im Büro. Ihre Seele wird es Ihnen danken. Und der Arbeitgeber wird sich über das emsige Treiben freuen. Allerdings benötigen nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Pflanzen gute Bedingungen wie Licht und Pflege.