Eine aufstrebende Firma braucht Personal. Beinahe wöchentlich sucht die Eliax GmbH aus dem thurgauischen Berg mit Inseraten in Ostschweizer Zeitungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für ihr Callcenter. Die Aufgabe: der Verkauf von Schlüsselfundmarken.

Das Anstellungsprozedere ist denkbar einfach: «Die wollten nicht einmal einen Lebenslauf sehen», erinnert sich Lea Dietrich (Name geändert), «stattdessen sollte ich mich sofort in den Arbeitsplan eintragen.» Nach einem Tag Schulung hatte Dietrich bereits ihren ersten Einsatz im Callcenter. Dort versuchte sie anhand einer Adressliste, am Telefon Schlüsselfundmarken zu verkaufen. Hatte sie einen «Deal» abgeschlossen, so stand sie auf und machte auf einer Tafel einen Strich hinter ihren Namen.

Die neue Mitarbeiterin konnte viele Striche machen: «Ich verkaufte gut.» Bezahlt gemacht hat sich das für sie allerdings bis heute nicht: «Der erste Monat gelte als Einarbeitungszeit und werde nicht vergütet, erklärte man uns.» Einen schriftlichen Arbeitsvertrag erhielt Lea Dietrich nie. Nach drei Wochen und mehreren Dutzend verkauften Schlüsselmarken beendete sie die unergiebige Zusammenarbeit.

Auch Erik Lindner (Name geändert) erhielt bei der Eliax GmbH ein Telefon und eine Adressliste, aber keinen Arbeitsvertrag. Lindner arbeitete gerade mal zwei Tage im Callcenter: «Als ich sah, was da gespielt wurde, ging ich wieder.»

Elisabeth Preuvost hielt es sogar nur einen Tag aus. Ihre Fragen nach Lohn, AHV und Pensionskasse blieben beim Vorstellungsgespräch weitgehend unbeantwortet: «Stattdessen zeigte mir der Geschäftsführer irgendeine Skala, bei wie vielen Verkäufen man wie viel verdiene, und redete mich in Grund und Boden. Als ich um eine Kopie dieser Tabelle bat, wollte er sie nicht herausrücken.» Für Preuvost steht fest: «Da werden Leute ausgenutzt, die dringend einen Job brauchen.»

Das Callcenter wird aufgerüstet

Eine schriftliche Anfrage des Beobachters bei der Eliax GmbH bleibt vorerst unbeantwortet. Auf einen Anruf hin meldet sich dann Armin Zollinger, nach eigenem Bekunden Verwaltungsratspräsident der Eliax AG. Die GmbH sei Anfang November in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden, um die Firma auszubauen und zu «professionalisieren», erklärt er.

Zollinger unterscheidet zwischen «Mitarbeitern» mit einer vollen Stelle und «Freischaffenden» mit einer Teilzeitbeschäftigung. Mitarbeiter erhielten einen Fixlohn von 2'000 Franken monatlich und 27 Franken pro verkaufte Schlüsselmarke. Freischaffende hingegen müssten sich mit der Provision von 27 Franken pro Abschluss zufrieden geben. Von Gratisarbeit im ersten Monat will Zollinger nichts wissen: «Wir rechnen per Ende Monat ab und zahlen im folgenden Monat aus. Wenn jemand Abschlüsse vorweisen konnte und dafür nicht bezahlt wurde, so muss man der Sache nachgehen.»

Zollinger hat grosse Pläne mit Eliax: Im nächsten Jahr soll das bisher rudimentär eingerichtete Callcenter mit neuer Technologie aufgerüstet werden. Und zusätzlich zu den bisher knapp 20 Angestellten sollen nochmals so viele hinzukommen. Freischaffende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Teilzeitpensen wolle man dann nicht mehr beschäftigen. In diesem Sinn liesse sich auch der Internetauftritt der Firma professionalisieren: Dort werden immer noch «Telefonist/Innen» mit einem Pensum von 30 bis 70 Prozent gesucht.