Verantwortungsbewusstes und soziales Handeln schreibt sich die Coop-Gruppe in ihrem Leitbild auf die Flagge. Dutzende Mitarbeiter merken derzeit herzlich wenig davon: Ihnen wurden Änderungskündigungen oder gar Kündigungen überbracht.

4000 statt 4500 Franken Lohn bei gleicher Funktion, statt 41 Wochenstunden nur noch 8 bis 20 Stunden zugesicherte Arbeit – so und ähnlich sehen die neuen Vertragsbedingungen aus. Bedingungen, mit denen die Betroffenen mangels Alternativen zwar leben müssen, von denen sie aber kaum leben können. «Was Coop macht, ist skandalös», ärgert sich Robert Schwarzer, Branchensekretär Detailhandel bei der Gewerkschaft Unia. «Diesen Menschen wird schlichtweg die Lebensgrundlage entzogen.»

«Statistisch nicht relevant»

Wie viele neue Verträge seit Anfang Jahr aufgesetzt wurden, wisse er nicht, erklärt Coop-Personalchef Peter Keller. «Ich habe keine entsprechenden Daten zur Verfügung, da Änderungskündigungen für uns keine statistische Relevanz haben, weil die Arbeitsverhältnisse bestehen bleiben.» Dass hinter den «statistisch nicht relevanten Daten» Schicksale stehen, scheint die Coop-Oberen nicht zu kümmern.

Tatsache ist, dass Coop-Filialen, die über längere Zeit den budgetierten Umsatz nicht erzielen, Personalkosten reduzieren müssen. Laut «Sonntags-Zeitung» wird Coop heuer 2000 Stellen abbauen. Dass in den Begleitschreiben die neuen Verträge oder Kündigungen strukturell begründet werden, soll damit aber nichts zu tun haben: «Dass strukturelle Veränderungen angeführt werden, geschieht zum Schutz der Angestellten», sagt Keller. Dies würde zudem den ehemaligen Mitarbeitern dereinst auf dem Arbeitsamt dienen.

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