Das romantische Wochenende zu zweit ist perfekt: Der Flug Zürich–London–Zürich ist gebucht, das luxuriöse Hotel in der Londoner City ebenfalls. Eine E-Mail informiert den Herzallerliebsten: «Geschafft! Wir sehen uns heute Abend am Flughafen.» Alles schnell im Büro erledigt – dank dem Internet.

Aber ist das überhaupt erlaubt? Dürfen Arbeitnehmer während der Arbeitszeit privat im World Wide Web herumsurfen? Der Beobachter hat in grösseren Betrieben nachgefragt.

«Die Benutzung der gesamten Büroinfrastruktur ist für private Zwecke nicht gestattet», sagt Peter Maurer, Chief Information Officer bei IBM Schweiz. Einzige Ausnahme: das Internet. Laut einer internen Richtlinie darf das Netz «in unbedeutendem Umfang» zu privaten Zwecken genutzt werden, wenn keine Sicherheitsstandards verletzt oder riesige Datenmengen heruntergeladen werden.

Nicht alle Firmen sind grosszügig

Auch beim Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) macht man sich Gedanken über den privaten Internetgebrauch. «Surfen oder Mailen ist erlaubt, solange es nicht in einem Missverhältnis zur Arbeitsleistung steht», erklärt Claudio Frigerio, Verantwortlicher des BIT-Rechtsdienstes. Die Bundesämter sind jedoch befugt, gewisse Sites wie etwa Gratis-E-Mail-Server oder Spiele zu sperren.

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Bei Novartis ist das Internet ein wichtiges Arbeitsinstrument für den wissenschaftlichen Austausch. «Wir zeichnen aus operativen Gründen die Zugriffe auf die verschiedenen Seiten auf. Dies geschieht aber anonym», sagt Pressesprecher Thomas Staffelbach. Damit wolle man nicht die Mitarbeiter überwachen, sondern herausfinden, welche Datensammlungen häufig aufgerufen würden. Staffelbach: «Der private Gebrauch wird liberal gehandhabt, solange nicht übertrieben wird.»

ABB Schweiz kennt keine Einschränkungen beim Internetzugang. «Das Netz ist ein Arbeitsinstrument. Wir setzen auf den verantwortungsvollen Gebrauch des einzelnen Mitarbeiters», sagt Pressesprecherin Carmen Kessler. Uberprüft werden die Internetsitzungen der Mitarbeiter bei ABB Schweiz nicht. Kessler: «Das gäbe einen riesigen administrativen Aufwand und Probleme mit dem Datenschutz.»

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Bei der Credit Suisse hingegen ist die private Internet- und E-Mail-Nutzung strikt verboten. Es finden zwar keine technischen Kontrollen statt – aber die Vorgesetzten sind angehalten, dafür zu sorgen, dass gearbeitet und nicht gesurft wird. «Es ist nicht im Sinn des Unternehmens, wenn private Korrespondenz mit der E-Mail-Adresse der Credit Suisse versandt oder im Netz gesurft wird», sagt Pressesprecherin Ruth Stadelmann.

Surfen darf verboten werden

Diese restriktive Haltung dürfte in der Unternehmenswelt häufig anzutreffen sein. Doch viele Angestellte halten sich nicht an die Weisungen. So erhält der Beobachter zahlreiche Leserbriefe und Beratungsanfragen per E-Mail, deren Firmenkürzel am Adressende eindeutig auf den geschäftlichen Absender hinweisen.

Grundsätzlich gilt: Der Arbeitgeber hat das Recht, Reglemente oder Vorschriften zu erlassen, die den privaten Gebrauch des Internets verbieten. Und er darf fehlbare Mitarbeiter ermahnen.

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Damit es gar nicht erst so weit kommt, empfiehlt es sich, private E-Mails möglichst von zu Hause aus zu versenden. Dringende längere Internetsitzungen für private Zwecke sollten mit dem Vorgesetzten besprochen und allenfalls ausserhalb der Arbeitszeit durchgeführt werden.

Ein grosses Problem im World Wide Web ist der Datenschutz. Viele Angestellte wissen nicht, dass die Spur, die sie beim Surfen am Arbeitsplatz hinterlassen, ohne weiteres verfolgt werden kann. Die Daten werden nämlich routinemässig vom Computer aufgezeichnet. Wer sehen möchte, wo überall herumgesurft wurde, gibt einfach in der Adresszeile des Browsers «about:global» oder «about:cache» ein. Es folgt eine Liste mit Internetprotokollen der besuchten Homepages – mit Datum und genauer Uhrzeit.

E-Mails können leicht geöffnet werden, da es sich nur um «elektronische Postkarten» und nicht um Briefe handelt. Wer die Mitteilung in einen «Umschlag» stecken will, muss die Mail verschlüsseln. Dies setzt aber eine entsprechende Software bei Sender und Empfänger voraus.

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Bespitzeln ist illegal

Darf der Arbeitgeber von diesen Überwachungsmöglichkeiten überhaupt Gebrauch machen? Gemäss Obligationenrecht (OR 328) ist die Privatsphäre des Mitarbeiters und der Mitarbeiterin am Arbeitsplatz zu schützen. Technische Kontrollsysteme dürfen nicht eingesetzt werden, um das Verhalten der Arbeitnehmer zu überwachen (Artikel 26, Verordnung 3 zum Arbeitsgesetz). Erlaubt ist dies allerdings, wenn es Sicherheitsgründen oder der Erfassung der Arbeitsleistung dient. In einem solchen Fall müssen die Betroffenen jedoch darüber informiert sein.

Besteht der begründete Verdacht, dass eine Arbeitnehmerin oder ein Arbeitnehmer das Internet auf unerlaubte Weise privat nutzt, darf der Arbeitgeber – nach vorgängiger Information des Fehlbaren – den Internetanschluss einmalig überwachen lassen. Präventive Uberwachung ist jedoch nicht gestattet.

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«Vielen Angestellten ist gar nicht bewusst, dass die Internettätigkeit am Arbeitsplatz sehr offen ist und einfach überprüft werden kann», warnt Giordano Costa, Sprecher des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten. Punkto Sozialkontrolle sind wir zwar noch nicht so weit wie in George Orwells Roman «1984». Dennoch ist Vorsicht geboten: Der «Grosse Bruder» könnte Sie überwachen.

Adressen

  • Fragen zum Thema Datenschutz beantwortet der eidgenössische Datenschutzbeauftragte kostenlos und anonym: Monbijoustrasse 5, 3003 Bern, Telefon 031/322 43 95

  • Alle Publikationen und Richtlinien des Datenschutzbeauftragten sind bei www.edsb.ch zu finden.