Seit seinem Stellenantritt im Frühling hat Jumbo-Filialleiter Roman Brändli tüchtig aufgeräumt: Ein Viertel der 36-köpfigen Belegschaft des Fachmarktes Frauenfeld arbeitet inzwischen nicht mehr für ihn. Sechs Angestellten wurde gekündigt, eine Mitarbeiterin wurde versetzt, zwei Kadermitarbeiter kündigten selbst. «Sein Vorgänger hatte die Zügel schleifen lassen, deshalb musste er quasi eine Sanierung durchführen», erklärt Verkaufsleiter André Afentoulidis stellvertretend für Brändli.

Als der Filialleiter im Spätherbst drei Angestellten «aus wirtschaftlichen Gründen» kündigte, sank die Stimmung vollends in den Keller. Eine getreue Vertraute des Filialleiters begann deshalb, Solidaritätsunterschriften für ihren Chef zu sammeln. «Mir stönd hinter dir!», stand neben seinem Konterfei. Ein gutes Dutzend Angestellte unterschrieben. Freiwillig? – «Jeder hatte doch Angst, er werde als Nächster entlassen, deshalb unterschrieben so viele», sagt Franca Poppa, der im November gekündigt wurde. Doch nicht alle liessen sich einschüchtern: Eine Abteilung weigerte sich geschlossen, zu unterschreiben.

Trotzdem hängte der Filialleiter sein Ebenbild mit den Unterschriften im Büro auf. «Eine Sauerei», findet die ebenfalls entlassene Julie Singenberger. Wer für ihn ist, ist darauf klar ersichtlich. Doch was ist mit den anderen? Der Filialleiter hat das Bild inzwischen zwar abgehängt, doch für die Abteilung, die nicht unterschrieben hatte, ist die Sache noch nicht ausgestanden. In nächster Zeit wird sich der Filialleiter ihrer annehmen – Entlassungen sind nicht ausgeschlossen.

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