Das stösst bei den Gewerkschaften auf wenig Gegenliebe: «Wir haben das Gefühl, dass gewisse Firmen die Situation ausnützen und sich auf dem Buckel der Arbeitnehmenden sanieren», sagt Syna-Chef Kurt Regotz. Fair wäre, jetzt einen Teil der Mehrarbeit rückgängig zu machen. Paul Rechsteiner, Präsident des Gewerkschaftsbunds, sagt: «Es war nie Sinn des Gesamtarbeitsvertrags, dass Firmen, die schwarze Zahlen schreiben, Notstandsmassnahmen ergreifen.» Man überwälze ein typisches Arbeitgeberrisiko auf die Arbeitnehmer.

Der Euro bei 1.20 ist «zu tief»

Die kritisierten Exportfirmen wollen davon nichts wissen. «Wir haben die Massnahme Anfang September eingeführt, jetzt werden wir sie bestimmt nicht rückgängig machen», sagt Corina Atzli von Bühler Industries. Die Firma schrieb letztes Jahr 200 Millionen Franken Gewinn, die Arbeitnehmer müssen jetzt 2,5 Stunden pro Woche länger arbeiten. Lediglich zwei Firmen wollen schon bei einem Eurokurs von Fr. 1.25 ihre Haltung überdenken. Der Chef der Bieler Schrauben-Firma Toproc, Willi Kocher: «Wenn der Euro zwei Monate lang über diesem Wert bleibt, senken wir die Arbeitszeit auf 39 Stunden.» Alfred Lichtensteiger, Chef des St. Galler Autozulieferers DGS, will dann «sehr ernsthaft» über die Bücher gehen.

Chocolat Schönenberger, Bühler, Glaroform, Haeusler, Lüscher und Nachbur lassen dagegen erst bei einem Eurokurs von Fr. 1.30 mit sich reden, Sauter sowie Stanzwerk-Patron Marcel Rüetschi erst bei einem Kurs von Fr. 1.35, denn: «Alle Sparmassnahmen zusammengerechnet, schreiben wir aktuell knapp schwarze Zah­len.» Bei Lonza sind die zweieinhalb Stunden Mehrarbeit für 18 Monate fix, und Adval-Tech-Chef Jean-Claude Philipona macht keinerlei Versprechen.

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Bernina in Steckborn prüft längere Arbeitszeiten. Entschieden sei aber noch nichts. «Klar, spielt der Wechselkurs ­eine Rolle», sagt Sprecher Matthias Fluri. Und selbstverständlich habe der Eingriff der Na­tionalbank die Ausgangslage verändert. Martin Vetterli