Der Hoch-Ybrig AG mit rund 200 Angestellten geht es gut. So gut, dass sich die Aktionäre des Bergbahn- und Gastrounternehmens seit fünf Jahren jeweils zehn Prozent Dividende gönnen. Schlechter steht es um die Angestellten der Restaurants: Sie werden zu widerrechtlichen Bedingungen beschäftigt. 48 Stunden wöchentliche Arbeitszeit werden in den Verträgen verlangt, und Ferien sollen mit dem Lohn bereits abgegolten sein. Der Gesamtarbeitsvertrag (GAV) aber legt mindestens vier Wochen Ferien pro Jahr fest und eine reguläre Wochenarbeitszeit von maximal 42 Stunden. Dass die Verträge gegen den GAV verstossen, bestätigt denn auch Lilo Lanz von der GAV-Kontrollstelle.

Der Serviceangestellte Gabriel Erni weigerte sich, die miesen Bedingungen zu akzeptieren, und beschwerte sich bei der Kontrollstelle. Nachdem der Beobachter Wendelin Keller, Geschäftsleiter und Mehrheitsaktionär der Hoch-Ybrig AG, mit den Vorwürfen konfrontiert hatte, traf sich dieser mit einem Vertreter der Kontrollstelle und dem Geranten eines betroffenen Restaurants. «Wir wollen die Sache in Ordnung bringen und künftig mit GAV-konformen Verträgen arbeiten», kündigte Keller an, der widerrechtliche Verträge persönlich unterzeichnet hatte. Kommende Wintersaison will er allen Restaurants im Skigebiet neue Verträge anbieten.

Für Gabriel Erni hat sich der Protest gelohnt: Für die nicht bezogenen Ferien muss er finanziell entschädigt werden. Er ist womöglich nicht der Einzige: Alle betroffenen Angestellten haben ein Anrecht auf Entschädigung - bis fünf Jahre rückwirkend.

Anzeige