Für Marketingassistentin Alexandra Lehmann wurde die finanzielle Situation Anfang Jahr untragbar: «Von November bis Ende Januar erhielt ich von der Hangar AG keinen Lohn mehr. Wochenlang wurde ich mit Versprechungen hingehalten.» Sie gelangte schliesslich ans Arbeitsgericht. Die St. Galler Marketingfirma anerkannte zwar die Forderung, zahlte aber gleichwohl nur einen Bruchteil des Lohns.

Da zog Lehmann mit einer ebenfalls betroffenen Arbeitskollegin die Notbremse: Nachdem eine letzte Frist für eine «Sicherstellung wegen Lohngefährdung» verstrichen war, kündigten beide fristlos. Zu Recht: Bei offensichtlicher Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers können Angestellte das Arbeitsverhältnis sofort beenden.

Während Lehmann noch auf mehrere tausend Franken wartet, erhielt ihre Kollegin nach einigem Hickhack den restlichen Lohn. Hangar-Verwaltungsrat Stefan Kress verweist auf einen «Zahlungsplan Lehmann», die Schuld soll in Monatsraten abgestottert werden. Doch die Gläubigerin hat keine Geduld mehr: «Ich werde ein Konkursbegehren stellen müssen.»

Nicht nur Alexandra Lehmann will Geld sehen. Ein Blick in den Betreibungsregisterauszug der Hangar AG vom letzten März zeigt eine lange Liste von 47 Forderungen über total 427'000 Franken. Kress hat dafür eine gewundene Erklärung parat: «Es handelt sich um ein Start-up-Unternehmen, wobei gewisse Ertragserwartungen noch nicht erreicht werden konnten. Das hat leider zu Liquiditätsschwierigkeiten geführt.» Zudem macht er die «fehlende Leistungsbereitschaft» von Mitarbeitern für die Probleme mitverantwortlich.

Die Vorgängerfirma wurde liquidiert, Firmeninhaber Peter Moser musste Privatkonkurs anmelden. Für Andreas Weck von der KMU Factoring in Altendorf SZ, ebenfalls Hangar-Gläubigerin, ist dies die Kehrseite der liberalen Rechtsordnung: «Pleitiers können viel zu einfach weitermachen.»

Ins Bild passt, dass Lehmann offensichtlich erst nach ihrer Kündigung bei einer Pensionskasse an- und gleich wieder abgemeldet wurde. Die Sozialversicherungsbeiträge der Hangar-Mitarbeitenden müssen ständig durch Pfändungsankündigungen eingetrieben werden.

Bei allen Ex-Angestellten tönts ähnlich: Hangar zahle den Lohn verzögert oder erst nach Betreibung. «Als Ablenkungsmanöver erhielt ich ein Geschäftsfahrzeug. Aber weil die Leasingraten nicht bezahlt wurden, musste ich das Auto wieder abgeben», so ein ehemaliger Mitarbeiter zum Beobachter. Und: «Täglich musste ich mir anhören, dass wir Betrüger seien.»

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