Vom Stapel an Unterlagen, die Hans Ruedi Schweizer ins Sitzungszimmer mitgebracht hat, braucht er ein einziges Blatt. Er zückt es, um die Frage zu beantworten, wie er, der erfolgreiche Unternehmer, es anstelle, dass dem Smuv-Gewerkschafter René Leemann bei der Erwähnung des Namens Schweizer ein wohlwollender Stossseufzer entfährt: «Wenn nur alle so wären!»

Das Papier zeigt ein einfaches Schema mit vier Kästchen: Oben steht «Kundenorientierung», unten – diese Platzierung ist kein Zufall – «Wirtschaftlichkeit». Links und rechts, zur Ausbalancierung der vertikalen Achse, «MitarbeiterInnen» und «Umwelt». Dieses Leitbild gibt der Ernst Schweizer Metallbau AG in Hedingen ZH Stabilität. Würden mit Renditemaximierung die anderen drei Standbeine geschwächt, droht Einsturzgefahr, da ist sich der 56-jährige Firmenchef sicher: «Wir dürfen nicht einseitig werden. Schliesslich ist ein Unternehmen nicht eine Gewinnproduktionsmaschine. Es muss auch soziale, ökologische und kundenorientierte Leistungen erbringen», sagt Schweizer.

Schlechte Zeiten, gute Zeiten


Wirtschaftlichen Erfolg hat die Familien-AG mit 485 Beschäftigten – davon 42 Lehrlinge – dennoch. Der Jahresumsatz von 115 Millionen Franken zeigt, dass die Geschäfte mit Fassaden, Fenstern, Briefkästen und Sonnenkollektoren gut laufen – trotz Baisse in der Baubranche. Diese hat Schweizers KMU ohne Entlassungen bewältigt. Stattdessen wurden Reserven angezapft und solidarische Kurzarbeitszeitmodelle eingeführt. «Wer die guten Zeiten teilt, muss auch die schlechten teilen», sagt der Maschineningenieur.

Soziale Gerechtigkeit im Zeitalter der Egomanen? «Die Jugend hat mich geprägt: 1968 war ich 20», erklärt der Vater zweier Kinder im Teenageralter lapidar. «Und mit dem Alter bin ich fast noch konsequenter geworden.» Nicht aus Idealismus, sondern aus Überzeugung: Schweizer glaubt daran, dass das von ihm verinnerlichte Modell der nachhaltigen Unternehmensführung wieder mehr Gewicht erhält. «Der Staat könnte dies mit Lenkungsabgaben fördern, wenn es ihm mit der Nachhaltigkeit ernst ist», sagt er. Sein Ton verrät Zweifel.

Mitarbeitende ernst genommen


Wohl deshalb engagiert sich Schweizer lieber in Sachthemen – etwa bei Sonnenenergie und Umwelt – als in der Politik: «Dort ist es mir zu ideologisiert.» Doch er geht dezidiert auf Distanz zu neoliberalen Parolen wie etwa nach «mehr Mut zur Ungleichheit»: «Wir müssen am Ausgleich arbeiten, nicht die Gegensätze verschärfen.»

Hans Ruedi Schweizer kann in der Firma, die er seit 1985 leitet, den Arbeitern mit geradem Blick in die Augen sehen. Das Verhältnis zwischen dem Tiefstlohn eines Lehrabgängers (3500 Franken) und dem Durchschnittssalär der Geschäftsleitung liegt bei eins zu vier. Nicht zuletzt darin widerspiegelt sich der im Leitbild – in gewollter Anlehnung an Max Frisch – festgehaltene Grundsatz, Mitarbeitende «als Menschen und nicht nur als
Arbeitskräfte» zu schätzen. Dies zeigt sich in fortschrittlichen Arbeitszeit- und Mitbestimmungsmodellen, gezielter Förderung von Frauen und Ausländern, in Beiträgen für Weiterbildung.

Schweizer ist überzeugt, dass sich diese Investition lohnt: «Ich erhalte es durch Leistung zurück.» Das sagt er nicht als Gutmensch, sondern als engagierter Unternehmer.

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