Abstruses steht in der Kündigung an Chauffeur Georg Zanca: Als einer der Gründe für seine Entlassung wird «ungenügende körperliche Pflege» genannt.

Zanca wurde Anfang Jahr vom neuen Chef aufgefordert, innert drei Monaten sein Gebiss in Ordnung zu bringen. Die 20'000 Franken teure Sanierung kann sich Zanca aber nicht leisten. «Meine Zähne waren schon bei meiner Anstellung vor über sechs Jahren schlecht. Wieso das jetzt als Kündigungsgrund gelten soll, verstehe ich nicht», sagt Zanca.
Auch sein Kollege Hans-Ulrich Fauster, seit zwölf Jahren Chauffeur bei der Wädenswiler Sektion des Schweizerischen Invaliden-Verbands Procap, wurde entlassen. Wiederholt hatten Zanca und Fauster bei ihren Chefs auf Missstände an den Fahrzeugen für die Behindertentransporte hingewiesen. «Eine Rollstuhlrampe wurde falsch verschraubt», erklärt etwa Zanca. «Und die Schienen für die Befestigung der Rollstühle im Auto wurden fahrlässig montiert - sie hätten einer Vollbremsung nicht standgehalten», fügt Fauster an. Damit kritisierten die Fahrer die Arbeit einer Spenglerei, die einem Bekannten der Geschäftsleiter von Procap Wädenswil gehört. Die Kritik geriet den Chefs wohl in den falschen Hals. Statt auf die Hinweise einzugehen, forderte Procap, dass sich die Fahrer bei der Spenglerei entschuldigen. Sie weigerten sich. Darauf wurde ihnen gekündigt.

Im Blauen Brief an Fauster werden als Kündigungsgründe unter anderem «Verfehlungen mit Fahrgästen» sowie «Unfall und diverse Beschädigungen an den Transportfahrzeugen» genannt. «Wenn Spass haben mit behinderten Menschen eine ‹Verfehlung mit Fahrgästen› ist, dann werde ich immer wieder Verfehlungen begehen», sagt Fauster. «Und ich habe mehr als 800'000 Kilometer mit Behindertentransporten zurückgelegt. Dabei hatte ich bloss vier Blechschäden.» Die beiden Chauffeure haben nun einen Anwalt eingeschaltet.

Der Präsident und die Geschäftsstellenleiterin von Procap Wädenswil wollten sich gegenüber dem Beobachter nicht äussern. In einem Brief an die Chauffeure schreibt der grossteils öffentlich finanzierte Verband Procap: «Die Vorwürfe sind belegbar und tragen nur einen Teil zur Kündigung bei. Nach Gesetz kann eine Firma einem Arbeitnehmer fristgerecht auch ohne Grund kündigen.»

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