«Wir wollen als Besitzer nicht den Gewinn maximieren.» Gern verweist Oscar Kambly, Verwaltungsratspräsident des gleichnamigen Biskuitherstellers, öffentlich auf seine soziale Ader. Kambly – das ist in seinen Worten «ein Lebensstil, eine Widmung an all jene, die das Bessere vom Guten zu unterscheiden wissen».

Für 21 Angestellte im Werk Lyss tönt das hehre Bekenntnis wie ein schlechter Witz: Sie erhielten auf Ende Mai die Kündigung. Daraufhin wurde ihnen ein Arbeitsvertrag als «Stand-by-Mitarbeiter/in» angeboten – ohne Garantien: «Der Abruf für einen Einsatz erfolgt jeweils sehr kurzfristig. Mit dem Ende des Einsatzes endet auch die Lohnzahlung.»

Für viele Betroffene ist dieses Angebot unzumutbar: Sie sind auf ein regelmässiges Einkommen angewiesen. Zudem war der neue Vertrag in mehreren Punkten unpräzis und vielleicht sogar illegal. Aufgrund der Beobachter-Anfrage wird Kambly-Geschäftsleiter Anton von Weissenfluh nun nachbessern: «Es gibt neue Verträge mit einer zugesicherten Jahresarbeitszeit und einer klaren rechtlichen Klassierung.»

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Trotzdem bleiben die Betroffenen schlechter gestellt: Arbeit auf Abruf ist für die Gewerkschaften «eine moderne Form von Sklavenarbeit».