Ivo von Niederhäusern, Bestatter


«Ich hatte schon immer eine Neigung zum Morbiden, der Tod hat mich schon als Kind fasziniert. Den Beruf des atters übe ich aber erst seit zweieinhalb Jahren aus. Früher habe ich Haushaltgeräte verkauft; zuletzt war ich sieben Jahre im Service tätig. Aber jetzt habe ich meine Berufung gefunden. Zu unseren Aufgaben gehören das Waschen, Ankleiden, Aufbahren, Einbetten und Überführen der Verstorbenen sowie der Kontakt zu den Hinterbliebenen. Ich verdiene 5500 Franken pro Monat.

Natürlich sehen wir auch schlimme Sachen. Wir müssen pro Woche zwei-, dreimal Verstorbene abholen, von deren Ableben keiner etwas gemerkt hat. Dann kommen noch die Suizide und die Unfälle dazu. Die Bilder haben mir aber noch nie etwas ausgemacht. Was mich am Anfang hingegen viel mehr mitgenommen hat, ist das Leid der Hinterbliebenen. Ich musste in den ersten Monaten oft die Tränen zurückhalten. Mitarbeiter bekommen auf Wunsch natürlich psychologische Unterstützung. Bei mir war das aber noch nie nötig, wir verarbeiten das meistens im Team. Zudem sind wir ja immer zu zweit unterwegs.

Auch physisch ist der Beruf nicht ganz ohne. Es braucht Kraft, einen vollen Sarg aus dem vierten Stock hinunterzutragen. Deshalb gibt es kaum weibliche Bestatter.»

Salvador Soares, Wägelischieber


«Eigentlich würde ich lieber etwas mit Autos arbeiten – in meiner Heimat Brasilien habe ich Autoverkäufer gelernt. Stattdessen schiebe ich hier im Einkaufszentrum seit über drei Jahren Einkaufswägeli herum. Ich habe einmal ausgerechnet, wie viele Kilometer ich täglich zurücklege. Es sind so 25 bis 30! Meine Schuhe halten höchstens ein halbes Jahr.

An einem strengeren Tag schiebe ich rund 7000 Wagen herum. Das ist ganz schön anstrengend, denn einer wiegt über 15 Kilo, und man stösst meist eine Reihe von 25 Wägeli vor sich her. Abends spüre ich schon mal meinen Rücken und meine Arme – schliesslich arbeite ich mit Überstunden elf Stunden pro Tag, sechs Tage die Woche. Mein Monatslohn beträgt 4450 Franken.

Obwohl ich nichts anderes mache, als die Wägeli von einem Ort zum andern zu schieben, ist der Job nicht langweilig. Einmal habe ich auf meiner Suche nach verschleppten Einkaufswagen weit ausserhalb des Zentrums eine ganze Schlange von 40 Stück gefunden.

Das Mühsamste ist, die Wägelischlangen durchs Kundengedränge hindurchzumanövrieren. Wir passen zwar immer auf, dass wir niemanden anfahren, müssen die Leute manchmal aber auch bitten, zur Seite zu gehen. Das kommt nicht immer gut an. Recht häufig werden wir angeschnauzt und kriegen Schimpfwörter zu hören.»

Jürg Wyssmann, Klärwerkmeister


«Seit 17 Jahren bin ich nun schon hier in der Kläranlage tätig. Für mich ist es wichtig, auch im Freien zu arbeiten. Einfach nur im Büro sitzen – das könnte ich nicht. Wir arbeiten zu dritt in der Anlage und verwalten diese völlig selbstständig. Reich wird man nicht dabei, aber es ist eine sichere Anstellung.

Zur Anlage gehört auch die Tierkadaver-Sammelstelle der Region. Dort können die Einwohner während unserer Öffnungszeiten ihre toten Tiere vorbeibringen.

In einem gekühlten Raum stehen für die Kadaver Container zur Verfügung. Es gibt aber immer wieder Leute, die ihre Tiere einfach neben die Behälter werfen. Und manche kommen erst, wenn die Körper bereits völlig verwest sind. Das ärgert mich besonders, denn wir sind an Werktagen immer erreichbar.

An normalen Tagen arbeite ich 8,4 Stunden. Jeweils am Mittwoch kommt der Chauffeur und holt die Tiere ab. Ich helfe beim Verladen und reinige die Container. Der Geruch ist innert Minuten am ganzen Körper – am schlimmsten riechen die Haare. Der Gestank stört mich aber nicht mehr allzu sehr; die Arbeitskleidung wasche ich in der Anlage.

Einmal bin ich total erschrocken, als eine ziemlich grosse Schlange halb aus einem Behälter heraushing. Ich war mir einen Moment nicht ganz sicher, ob sie wirklich tot ist. Normalerweise haben wir aber keine exotischen Tiere hier.»

Heinz Burkhard, Rangiermeister


«1980 habe ich bei den SBB als Rangierer angefangen. Ich hatte gerade geheiratet, und mein monatlicher Verdienst von 1000 Franken, den ich als Koch nach Hause trug, reichte hinten und vorne nicht. Heute beträgt mein Lohn knapp 5000 Franken.

Rangierer ist ein harter Job. Wir müssen bei jeder Witterung raus. Im Moment habe ich Schicht von vier Uhr früh bis Mittag. Wenn Schnee liegt, fangen wir noch früher an; die Weichen müssen freigeschaufelt werden.

Die Arbeit auf den Gleisen ist äusserst gefährlich. Beim Ankuppeln stehen wir zwischen den Puffern des Güterwagens, während der nächste angerollt kommt. Ein Stolpern kann da fatale Folgen haben.

Im Januar etwa hatten wir einen Schnitt von 14 Unfällen pro 100 Mitarbeiter der SBB Cargo. Das sind drei mehr als in den vorangegangenen Monaten. Meistens handelt es sich um Misstritte. Ab und an gibt es aber auch schlimme, manchmal sogar tödliche Unfälle. Wenn es dann einen Kollegen trifft, kommt man schon ins Grübeln.

Obwohl viele ältere Rangierer grosse Probleme mit dem Rücken, den Knien oder der Hüfte haben, entlassen die SBB aus Spargründen immer weniger in die Frühpension. Ich habe noch keine gesundheitlichen Probleme. Aber mit dem Alter wird das Bücken schon immer mühsamer.»

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