Sie müssen einen anderen Weg finden, weil es ungesund ist, sich Tag für Tag zu verstellen. Wahrscheinlich würden Sie es auch nie ganz schaffen mitzuhalten, weil Ihnen dieser Kommunikationsstil nicht liegt.

Ironische und zynische Sprüche sind vor allem in Männergruppen gar nicht so selten: Sie ermöglichen es, allfällige Aggressionen, die durch den Druck am Arbeitsplatz entstehen, auf sozial akzeptierte, eben humoristische Weise laufend abzubauen. Ich empfehle Ihnen Folgendes: Sagen Sie bei Gelegenheit einmal, dass es Ihnen nicht möglich ist, schlagfertig alles zu ironisieren – dass Sie aber hoffen, trotzdem akzeptiert zu werden. Dabei müssen Sie vermeiden, den ironischen Stil zu kritisieren. Dieses Vorgehen braucht zwar etwas Zivilcourage, es wird Sie allerdings entlasten, und niemand wird Sie deswegen verachten.

Angestellte sind fühlende Individuen
Wir verbringen einen grossen Teil unseres Lebens am Arbeitsplatz. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns dort zu Hause fühlen. Weil der Mensch ein Gemeinschaftswesen ist, braucht er ein Gefühl der Zugehörigkeit. Evolutionsgeschichtlich und biologisch ist die natürliche Umgebung für den Menschen wohl die Kleingruppe – und sie verlangt eine gewisse Anpassung. Anderseits haben wir auch ein Bedürfnis, uns selbst zu verwirklichen. Es geht also darum, sich in einem Team so zu verhalten, dass wir dazugehören, aber gleichwohl wir selbst sein können.

Leider betrachtet die klassische Volkswirtschaftslehre die Arbeit ebenso nüchtern als Produktionsfaktor wie Boden und Kapital. Dieses Modell birgt die Gefahr, dass die emotionalen und sozialen Bedürfnisse der arbeitenden Menschen vergessen werden. Auch die moderne Wettbewerbsgesellschaft sollte indes Rücksicht darauf nehmen, dass Angestellte fühlende Individuen sind. Innerhalb eines wettbewerbsfähigen Teams müssen deshalb auch Werte wie Solidarität, Vertrauen, offene Kommunikation oder Verständnis für Andersartige gepflegt werden.

Professionalisierung in der Arbeitswelt ist zu einem Modewort geworden. Wer darunter automatenhaft funktionierende Berufsleute versteht, die einander gleichen wie ein Ei dem andern, liegt aber falsch: Im Berufsleben muss es Platz und Respekt für verschiedenartige Persönlichkeiten geben. Es geht nicht nur darum, Rollen möglichst effizient auszufüllen, denn positive menschliche Begegnungen wirken auch im Job motivierend und stressmindernd – sowohl unter Arbeitskollegen als auch im Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern. So gibt es neben der Leistung auch Selbstentfaltung und Begegnung am Arbeitsplatz, was schliesslich dem Unternehmen und dem wirtschaftlichen Erfolg zugute kommt.

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