Stattliche 13 Millionen Franken kostet die letzte Umbauetappe des Nobelhotels Palace Luzern, die von Januar bis März 2005 stattfindet. Mehr Luxus soll für die betuchte Klientel entstehen, mehr Wellness, mehr Komfort. 285 Franken kostet das günstigste Einzelzimmer, 1110 Franken die Presidential Suite – pro Nacht.

Das «Palace Luzern» gehört mit seinem Schwesterhotel «Victoria Jungfrau» in Interlaken zu den Topadressen der Schweiz. Doch mit seinen 150 Angestellten geht das Spitzenhaus alles andere als nobel um. Während des dreimonatigen Umbaus müssen alle Angestellten unbezahlten Urlaub nehmen und für diese Zeit eine «Zusatzvereinbarung zum Arbeitsvertrag» unterschreiben, mit der sie auf Lohn, Versicherung und Kindergeld verzichten. Wer sich weigert, muss gehen.

Eine Woche vor Antritt seiner neuen Stelle, am 23. September dieses Jahres, erfährt Jungkoch Steve Derwey telefonisch, dass das «Palace» ab 1. Januar für drei Monate geschlossen wird.

Der 20-Jährige wundert sich, dass ihm das Hotel das erst jetzt mitteilt: «So ein Umbau wird doch langfristig geplant.» Seinen Einjahresvertrag hat er bereits im August unterschrieben.

Am 1. Oktober tritt Steve Derwey seine erste Festanstellung nach der Lehre an. Der gute Ruf des «Palace» gab den Ausschlag. Kurz darauf finden mit allen Angestellten Gespräche statt, in denen sie über die Zusatzvereinbarung informiert werden. Einigen Mitarbeitern werden Jobs im «Victoria Jungfrau» für die Zeit des Umbaus angeboten, anderen nicht. «Drei Monate ohne Lohn sind schlimm für mich», sagt ein langjähriger Küchenangestellter. Er habe zwei Kinder und müsse schliesslich trotzdem Steuern und Versicherungen zahlen. «Ich bin sehr enttäuscht, dass keine bessere Lösung gesucht wurde.»

Die Verzweiflung der Angestellten spürt auch Juan Gonzalvez vom Rechtsdienst des Berufsverbands Hotel & Gastro Union: «Wir hatten seit Bekanntgabe des Umbaus jede Woche 10 bis 15 Anrufe von ‹Palace›-Mitarbeitern.» Das Gastgewerbe sei eben ein hartes Pflaster, zurzeit liege die Arbeitslosenquote bei etwa zehn Prozent: «Die Leute haben Angst um ihren Job und lassen sich deshalb einiges gefallen.» Schliesslich wollten sie nach dem Umbau wieder zurück in den Betrieb.

Derweys Gespräch mit der Hotelleitung findet am 23. Oktober statt. Er weigert sich, die für ihn nachteilige Vereinbarung zu unterschreiben. Eine Woche später bekommt er die Kündigung. Der Koch will das nicht hinnehmen: «Ich werde wegen missbräuchlicher Kündigung klagen.» Hoteldirektor Andrea Jörger sieht das anders: «Herrn Derwey wurde ausschliesslich und einzig wegen seiner mangelhaften Arbeitsleistung gekündigt.» Weitere Auskünfte zum Fall verweigert Jörger.

Derweys Lehrmeister Dominique Zosso vom Hotel Du Sauvage in Freiburg hat nur lobende Worte für seinen Exschützling: «Steve Derwey hat immer gute Arbeit geleistet, er ist sehr zuverlässig und pflichtbewusst.» Zossos Restaurant gehört zu den besten Adressen in Freiburg und ist mit 13 Gault-Millau-Punkten bewertet.

Gewerkschafter Juan Gonzalvez sieht für Derwey gute Chancen, wenn der Fall vor den Richter kommt. Zusätzlich zur umstrittenen Kündigung ist nämlich der Arbeitsvertrag des Jungkochs nicht korrekt abgefasst. Ein Passus sieht vor: «Herr Derwey verpflichtet sich, mindestens ein Jahr im ‹Palace Luzern› zu bleiben und den Arbeitsvertrag nicht vor dem 30. September 2005 zu kündigen.» Einseitige Kündigungsvereinbarungen sind gesetzlich nicht zulässig und verstossen gegen das Obligationenrecht. «Hier hat das ‹Palace› einen Fehler gemacht», so Gonzalvez. Auch dazu wollte «Palace»-Direktor Jörger nicht Stellung nehmen.

Obwohl Derwey angeblich schlecht gearbeitet hat, wollte ihn das «Palace» mit der Zusatzvereinbarung zur Weiterbeschäftigung nach dem Umbau ab April 2005 verpflichten; wie das zusammenpasst, bleibt ein Rätsel. Derwey gibt nicht klein bei. Ab Mitte Dezember arbeitet er für eine Saison in einem Hotel in Zermatt: «Ich freue mich auf den Neuanfang und das Skigebiet», sagt der Freiburger, der begeisterter Snowboarder ist.

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