Eigentlich wollte ich nur eine Putzfrau. Lange hatte ich mich geweigert, eine fremde Frau in unserer Wohnung den Dreck beseitigen zu lassen; schliesslich gab ich nach. Vor Bekannten bluffte ich: «Unsere Putzfrau wird nicht schwarz angestellt!»

Bald hatte ich einen Vertrag für die obligatorische Betriebsunfallversicherung unterschrieben. Prämie: 100 Franken jährlich im Voraus. Ich meldete mich bei der Ausgleichskasse. Diese schrieb: «Arbeitgeber sind verpflichtet, die approximativen Lohnsummen, welche Grundlage für die Akontobeiträge sind, bei wesentlichen Veränderungen von sich aus zu melden.» Ich verstand kein Wort, zahlte aber brav alle drei Monate AHV, IV, EO, ALV, FAK und Verwaltungskosten. «Legal anstellen, geht doch», triumphierte ich.

Jetzt musste ich beim Kantonalen Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit (Kiga) das Gesuch G1, «Arbeitsbewilligung für Asylbewerber», einreichen. Das Amt für Migration schickte eine provisorische Bewilligung zum Stellenantritt, das Kiga meldete: Gesuch um Arbeitsbewilligung gutgeheissen. Gebühr: 60 Franken. «Ordentlich anstellen, das lässt sich machen», sagte ich zu meinen Bekannten.

Dann begrüsste mich das Bundesamt für Flüchtlinge. Als Arbeitgeber sei ich verpflichtet, quartalsweise, aber ausschliesslich mit den dafür vorgesehenen Einzahlungsscheinen zehn Prozent des Bruttolohns auf ein individuelles Sicherheitskonto zu überweisen, dies gemäss Artikel 5 AHVG. «Offiziell anstellen ist zwar etwas aufwändig, aber es geht schon», murmelte ich meinen Bekannten zu.

Schliesslich meldete sich die kantonale Steuerverwaltung mit einer 29-seitigen Wegleitung zur Quellensteuer. Ziffer 2.1: «Der Quellensteuer unterworfen sind alle ausländischen Staatsangehörigen, welche die fremdenpolizeiliche Niederlassungsbewilligung nicht besitzen.» Formular 901. Ich begriff und bezahlte. Seither schweige ich, wenn in meinem Bekanntenkreis über Schwarzarbeit diskutiert wird.

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