Ende Oktober kündete SBB Cargo eine Radikalkur an: Bei der SBB-Tochter werden 650 von 4800 Stellen gestrichen. Kündigungen sollen keine ausgesprochen werden: 150 Mitarbeitende werden frühpensioniert, die übrigen 500 Angestellten bei der Stellensuche unterstützt; sie erhalten weiterhin Lohn.

Komisch nur, dass der staatliche Logistiker im selben Monat Leute einstellte: Mindestens drei Studenten unterschrieben im Oktober einen befristeten Arbeitsvertrag. Das Unternehmen beschäftigt seit längerem solche Aushilfskräfte. Manche arbeiten dank verlängerten Verträgen seit über einem Jahr für die SBB, obwohl der Gesamtarbeitsvertrag vorschreibt, dass Aushilfen nur «für einige Wochen angestellt werden» dürfen. Gemäss SBB Cargo werden die Aushilfskräfte eingesetzt, um zeitlich begrenzte Arbeitsspitzen abzudecken – eine Darstellung, die jener einer Studentin widerspricht, die sagt, sie hätte täglich anfallende Routinearbeiten erledigt.

Ohne Lohn nach Hause geschickt

Die schlechte arbeitsrechtliche Stellung der befristet Angestellten hat die SBB Cargo so befreit, dass sie im Sommer sogar zu viele Studenten einstellte – mit der Konsequenz, dass die Aushilfen an manchen Tagen aus Arbeitsmangel wieder nach Hause geschickt wurden, selbstverständlich ohne Entlöhnung. «Am Schluss hat während der Semesterferien niemand genug arbeiten können, obwohl uns eine Aufstockung des Arbeitspensums versprochen worden war», sagt eine Betroffene, die sich mit zwei anderen Angestellten gegen diese Praxis gewehrt hat. Prompt wurden ihre Ende 2005 auslaufenden Arbeitsverträge nicht mehr verlängert. SBB Cargo bestreitet, im Oktober Neuanstellungen vorgenommen zu haben. In der Novembernummer der Personalzeitschrift «SBB-Zeitung» indes werden neue Studenten begrüsst.