Der 39-jährige Aargauer Fritz Müller ist erleichtert, als er nach einem Jahr Arbeitslosigkeit wieder eine Stelle findet. Die Arbeitsstunde zu 33 Franken brutto, Auszahlung am Monatsende, garantiert Geschäftsführerin Evelyne Pfister schriftlich. Doch auf das Geld wartet der medizinische Masseur mit Fachausweis noch heute, obwohl er von Februar bis April pflichtbewusst im «schweizweit ersten Discounter für medizinische Massagen» in Zollikofen arbeitete. In derselben Situation stecken alle Arbeitskolleginnen: Auch sie wurden von der Geschäftsführerin um ihren Lohn geprellt. Insgesamt fordern die fünf Angestellten über 20’000 Franken an ausstehenden Gehältern.

Immer wieder vertröstet
Viel Geld für die Geprellten, die wie der ehemalige Arbeitslose Fritz Müller finanziell nicht auf Rosen gebettet sind. Als die Chefin ihren Angestellten Müller fragte, wohin er über Ostern verreise, entgegnete er: «Ich muss zu Hause bleiben, weil Sie mir den Lohn noch nicht überwiesen haben.» Geld bekam er trotzdem nicht.

Seit der Eröffnung des Massagezentrums seien sie von ihrer Chefin immer wieder aufs Neue vertröstet worden, sagen die Angestellten übereinstimmend. Dabei habe die Geschäftsführerin immer neue Gründe für die Verzögerungen bei der Lohnauszahlung angeführt: Einmal war der Treuhänder schuld, der die Lohnabrechnungen zurückgewiesen habe, ein anderes Mal verunmöglichte die Operation ihres Weisheitszahns die rechtzeitige Auszahlung. Als die Angestellten schliesslich immer lauter ihren Lohn forderten, drehte Evelyne Pfister den Spiess um und schrieb ihnen: «Ich habe Mühe, dass man plötzlich alles nur noch schlecht sieht. Alles, was nur noch zählt, ist Geld. Leider.»

Pfister habe tatsächlich nicht alle Löhne bezahlt, sagt ihr Berner Anwalt, Christian Flückiger. Doch die ausstehende Summe sei nicht so hoch wie von den Angestellten gefordert. Evelyne Pfister habe ihr Personal immer offen über die Situation informiert, betont er ausserdem.

Das grosse schwarze Loch
Vier Monate nach der Eröffnung des Massagezentrums besorgte sich Masseurin Barbara Schütz einen Auszug aus dem Betreibungsregister ihrer Arbeitgeberin. Sie war schockiert: Die Chefin hatte Verlustscheine von gegen 40’000 Franken offen, hinzu kamen hängige Betreibungen von über 10’000 Franken. «Da wurde uns klar, dass auch unsere Betreibungen chancenlos sein werden», sagt Sekretärin Barbara Raval. Auch sie wartet noch auf Lohn. Genauso wie Masseurin Nadja Büchner, die von Evelyne Pfister noch im Mai eingestellt wurde.

Eine Rechnung offen mit «Timeaut24» hatte auch die Firma MTR, Health & Spa AG aus Wollerau SZ. Dort hatte Pfister Material für über 7000 Franken bestellt. Vergeblich versuchte der Kleinbetrieb mehrfach, von der Kundin wenigstens eine Teilzahlung für die gelieferte Ware zu erhalten. Schliesslich machte MTR kurzen Prozess: In einer Überraschungsaktion holte sich die Firma nicht bezahlte Massageliegen zurück.

Im Juni handelten schliesslich auch die Angestellten in letzter Konsequenz: Sie legten alle ihre Arbeit nieder. Ihnen bleibt jetzt nur noch übrig, die ehemalige Chefin zu betreiben. Doch die Chancen, die ausstehenden Löhne jemals zu erhalten, sind gering.

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Zynismus per SMS
Das weiss auch Evelyne Pfister. In einer SMS schrieb sie an ihren nie entlöhnten ehemaligen Angestellten Fritz Müller: «Du kannst noch so auf deiner Lohnzahlung bestehen, ich bin blank. Lass mich jetzt arbeiten, damit Kohle reinkommt.» Pfisters Anwalt seinerseits betont, seine Mandantin wolle alles Erdenkliche dafür tun, um die ausstehenden Löhne doch noch bezahlen zu können.

Inzwischen ist auch die Internetseite des Gesundheits- und Massagezentrums (www.timeaut24.com) abgeschaltet - «diese Domain ist zurzeit suspendiert», steht da einzig. Grund: Evelyne Pfister hat auch diese Rechnung nicht bezahlt.