Seit bald 20 Jahren fährt Lokführer Fritz Aebi Züge für die BLS AG quer durch die Deutsch- und Westschweiz. Doch jetzt muss er noch einmal französische Vokabeln büffeln - aus Sicherheitsgründen. Denn das Bundesamt für Verkehr verlangt von den Bahngesellschaften, dass sich Lokführer problemlos in der jeweiligen Landessprache verständigen können. «Dies ist vor allem bei Pannen oder Unfällen wichtig», erklärt Gregor Saladin vom Bundesamt für Verkehr.

Die Lokführer müssen alle eine Prüfung ablegen. Zur Vorbereitung dient ein Kurs der Migros-Klubschule. Die Krux dabei: Gesetzlich vorgeschrieben für den verantwortungsvollen Job ist eine Ruhezeit von mindestens zehn Stunden zwischen zwei Einsätzen. Doch die BLS verzichtete auf die logistische Herausforderung, unregelmässige Schichteinsätze und Kursdaten für ihre 650 Lokführer gesetzeskonform aufeinander abzustimmen.

«Das ist ein Sicherheitsrisiko»

Stattdessen erklärt die Bahn den Besuch des Kurses zu einer Freizeitbeschäftigung - allerdings ist die abschliessende Prüfung obligatorisch. Rein juristisch gesehen wird damit die Ruhezeit nicht unterbrochen, denn Freizeit gilt immer als Ruhezeit. «Ob ein Lokführer in seiner Freizeit aus eigenen Stücken einen Tanzkurs besucht oder den verlangten Sprachkurs absolviert, spielt für den Gesetzgeber keine Rolle», erklärt BLS-Mediensprecher Hans Martin Schaer.

Lokführer Aebi hingegen kann mit den juristischen Spitzfindigkeiten wenig anfangen. Denn der Sprachkurs wird ihm nur bezahlt, wenn er mindestens 70 Prozent der Lektionen absolviert. «Will ich den Kurs so oft besuchen, kann ich meine Ruhezeit nicht einhalten. Das aber ist ein Sicherheitsrisiko», kritisiert er.