Fast 1000 Mitarbeiter des Logistik-Dienstleisters Postlogistics in Dintikon könnten zu Recht beleidigt sein. Jeder Einzelne soll nämlich seinem Arbeitgeber mittels Vollmacht Einsicht in seinen Strafregisterauszug gewähren. Der Grund für das plötzliche Misstrauen: Bei der Post-Tochter wird tüchtig geklaut. Das kostet Geld und schädigt den Ruf, gerade in einer Branche, die Waren Dritter spediert. Wie hoch die Deliktsumme ist, will das Mutterhaus Post nicht bekannt geben.

Bei allem Verständnis für die unbequeme Situation der Post-Tochter findet Daniel Menna, Sprecher des Büros des eidgenössischen Datenschützers, harsche Worte für das Vorgehen: «Die Massnahme ist absolut unverhältnismässig.» Ganz abgesehen davon, dass sie völlig ungeeignet sei, weitere Diebstähle zu verhindern. «Weder garantiert ein eintragsfreier Strafregisterauszug, dass der Betreffende jetzt nicht klaut oder nie stehlen wird, noch bedeutet ein Eintrag, dass es sich zwingend um einen Wiederholungstäter handelt.»

Bei der Post gibt man sich gelassen: «Wir sind der Meinung, dass in unserem Bereich Güterlogistik mit seinen erhöhten Sicherheitsanforderungen das öffentliche wie auch das private Recht die Grundlage dafür schafft, um nach einer Güterabwägung solche Massnahmen vorzukehren», sagt Pressesprecher Pascal Lorenzini.

Der renommierte Arbeitsrechtspezialist Adrian von Kaenel sieht das anders: «Diese Massnahme ist - zumindest bei einem guten Teil der Betroffenen - rechtlich unzulässig.» Allenfalls Mitarbeiter, die in sensiblen Bereichen arbeiten, also direkten Zugang zu den Transportgütern haben, dürften per Strafregisterauszug überprüft werden. «Beschäftigte der Administration, des Rechnungswesens, des Reinigungs- und Kantinenpersonals und die Informatikabteilung gehören sicherlich nicht dazu.» Aus datenschützerischer Sicht dürften zudem nur Informationen über Straftaten erhoben werden, die einen Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit haben. Solche Teilauszüge werden aber von den Strafregisterbehörden gar nicht erstellt.

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