Übermüdete Chauffeure sind eine Gefahr auf der Strasse. Deshalb werden sie auch kräftig zur Kasse gebeten: Bis zu 1500 Franken kann eine Busse betragen, wenn sie die Ruhezeiten nicht einhalten. Viel Geld für einen Lastwagenfahrer, der trotz 48-Stunden-Wochen oft nur 4500 Franken im Monat verdient.

«Das ist ungerecht», sagt Bruno Fürst, Präsident der Unia-Chauffeure. Schuld an der Missachtung der Ruhezeiten seien meist die Betriebe: «Die Fahrer können oft gar nicht anders, als gegen die Verordnung zu verstossen, wenn der Disponent zu knappe Zeitpläne aufstellt.» Zudem fehlten gerade entlang der Autobahnen Lastwagenparkplätze, wo Chauffeure ihre Pausen machen könnten. «So weichen sie eben auf den Pannenstreifen aus, was natürlich auch gebüsst wird.»

Die Arbeitgeber werden kaum je in die Pflicht genommen. Fälle wie jener der ­Baselbieter Transportfirma, die Anfang 2014 zu 4000 Franken Busse verurteilt wurde, sind äusserst selten. Doch das soll sich jetzt dank einer Motion von SP-Nationalrat (und Unia-Geschäftsleitungsmitglied) Corrado Pardini ändern: Künftig sollen die Arbeitgeber statt der Fahrer für entsprechende Übertretungen haften – aus­ser die Chefs können beweisen, dass sie die Arbeit so eingeteilt haben, dass der Chauffeur die Ruhezeiten problemlos ­hätte einhalten können.

«Nur so lässt sich verhindern, dass die Transportfirmen die Fahrer mit zu knapp disponierten Fahrten unter Druck setzen», sagt Pardini.

Nur fünf Prozent sind «sauber»

Tatsächlich sind gerade mal fünf Prozent der Fahrtenschreiber in Lastwagen bezüglich Arbeits- und Ruhezeiten «absolut sauber». Das sagt ein Experte, der wöchentlich bis zu 3000 Fahrtenschreiber auswertet. Allerdings seien die meisten Verstösse eher geringfügig. Das hat einen Grund: «Viele Fahrer schalten den Fahrtenschreiber erst ein, wenn sie den Hof verlassen», weiss Bruno Fürst von der Unia. «So schlagen die Lade- und Entladezeiten nicht auf die Arbeitszeit.»

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