«Noch vor kurzem pfiffen die Güterlokführer auf dem Platz Basel aus dem letzten Loch, mussten bis an die Grenzen des Gesamtarbeitsvertrags und manchmal auch darüber hinaus gehen.» Dies sagt Peter Merz, Präsident der Lokführergewerkschaft des Schweizerischen Eisenbahn- und Verkehrspersonalverbands. Tatsächlich mussten die Lokführer von SBB Cargo in Basel noch bis letzten Sommer unzählige Überstunden leisten, doch inzwischen fehlt es an Arbeit. In einem internen Brief an die Mitarbeiter schreiben die Vorgesetzten, beim Transitverkehr durch die Schweiz habe das Depot Basel «einen Überbestand von 25 Lokführern».

Doch das hindert die Geschäftsleitung nicht daran, erstmals deutsche Lokführer auszubilden: Sie sollen in Zukunft von Offenburg bis Goldau SZ oder Erstfeld UR fahren. Die praktische Ausbildung findet ausgerechnet im Führerstand von Schweizer Kollegen statt, die jetzt um ihre Stelle bangen. «Wir sind gerade noch gut genug, um unseren Nachfolgern die Tücken der Strecke zu erklären», kritisiert ein Betroffener.

Laut Stephan Appenzeller, SBB-Cargo-Sprecher, «gehören Überbestände beim konjunkturabhängigen Güterverkehr zur Tagesordnung». SBB Cargo halte sich an die Vereinbarung mit den Gewerkschaften, dass gleich viele Schweizer Lokführer in Deutschland fahren wie deutsche hierzulande. Noch muss das überzählige Personal keine Kündigung befürchten, doch den Kündigungsschutz wollen die SBB nun aufweichen: Die Gewerkschaften erwarten, dass die SBB den Gesamtarbeitsvertrag bald kündigen.