Die Schweiz ohne Winter, nicht auszudenken. Keine schneebedeckten Berge, keine gemütlichen Abende im Raclettestübli, kein Eislaufen auf dem See. Und auch wirtschaftlich sähe es schlecht aus: Jeder zwölfte Arbeitsplatz in der Schweiz hängt direkt oder indirekt vom Tourismus ab. Dabei spielt der Wintertourismus eine tragende Rolle. 1792 Bergbahnen in der Schweiz verzeichnen jeden Winter 270 Millionen Fahrten. Sie beschäftigen 11'000 Angestellte. Oft sind es Bauern, die an den Skiliften stehen und sich so ein Zubrot verdienen.

Roger Blaser, 43, hingegen arbeitet das ganze Jahr über auf dem Berg – er wacht in Saas Fee über die grösste Gletschergrotte der Welt. Weil immer wieder Tunnels beschädigt werden, muss er von Zeit zu Zeit neue Gänge anlegen. «Ich schaffe einen Meter pro Tag. Dafür benutze ich eine Art riesigen Föhn, der mit heisser Luft Gänge ins Eis schmilzt.»

Von ganz nahe betrachtet Margret Matzl den Schnee. Die 29-Jährige arbeitet am Schnee- und Lawinenforschungsinstitut in Davos zusammen mit 130 Kollegen daran, die Naturgewalten des Winters berechenbar zu machen. Die Forscherin ist immer wieder von neuem fasziniert, wenn sie Schneekristalle unter dem Mikroskop betrachtet.

Noch nie jemanden lebend geborgen



Doch die Kälte macht auch ihr zu schaffen: «Wenn ich oben auf dem Messgelände stehe und sich die Sonne hinter die Berge verzieht, wird es bitterkalt. Muss ich dann Schneeproben nehmen, friere ich mir fast die Finger ab.» Lawinen, starke Schneefälle und eisige Temperaturen gehören in der Schweiz zu den Herausforderungen der kalten Jahreszeit. Den Gefahren des Winters trotzen vor allem die 3000 Rettungskräfte des Schweizerischen Alpen-Clubs (SAC) – darunter auch Margrit Bohren, die schon in vielen Lawinenkegeln nach Verschütteten gegraben hat. Ein Job, der unter die Haut geht: «Ich habe leider noch nie miterlebt, wie jemand lebend aus der Lawine geborgen worden ist.»

Und doch gibt es für die 47-Jährige aus Erlenbach im Simmental nichts Schöneres, als an einem klaren Wintermorgen mit ihren Hunden durch den tiefen Schnee zu stapfen.