Ellen Tedaldi ist beliebt in der Alterssiedlung Rehbühl in Uster. Zusammen mit ihrem Mann Marco und den zwei Kindern bewohnt sie eine bescheidene Parterrewohnung. Zweimal in der Woche organisiert die 35jährige einen geselligen Mittagstisch für die Seniorinnen und Senioren. Doch nicht nur dem leiblichen Wohl fühlt sie sich verpflichtet. Sie ist auch zur Stelle, wenn Glühbirnen gewechselt werden müssen oder die Wohnungstür klemmt.

Angestellt wurde sie vom ehrenamtlichen Vorstand der Alterssiedlung. Ihr Ansprechpartner ist der Verwalter, der im Auftrag der Genossenschaft arbeitet. Zu ihrem 20%-Pensum gehören verschiedene Aufgaben vom Bereitstellen der Abfallcontainer bis zum Verwalten der Schlüssel. Für die Reinigung der Anlage ist eine externe Firma zuständig.

Seit Ellen Tedaldi ihren Teilzeitjob im August 2001 angetreten hat, kommt es ständig zu Spannungen zwischen ihr und dem Verwalter der Alterssiedlung. In Mails, Briefen und am Telefon streiten sie sich über die Modalitäten des Hauswartjobs. Ellen Tedaldi und ihr Mann Marco fühlen sich schickaniert. Mehrere Monate lang bleibt der Lohn aus. Um eine Lohnabrechnung kämpfen sie lange erfolglos. Der Vermieter nimmt Änderungen im Mietvertrag vor, ohne den korrekten amtlichen Weg einzuhalten. Die Liste der Ärgernisse, die Tedaldis das Leben schwer machen, ist lang.

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Wehren können sich Tedaldis nur schlecht. Sie haben finanzielle Probleme. Ellen Tedaldi trägt hohe Schulden mit, die ihr Ex-Mann aus erster Ehe verursacht hatte. Deshalb können Tedaldis im Rehbühl nicht einfach kündigen, denn die Wohnungssuche mit einem belasteten Betreibungsregister ist schwierig. Das Ehepaar ist überzeugt, dass der Verwalter diese Schwäche ausnützt.

Am 22. März erhalten Tedaldis per amtlicher Zustellung die Kündigung für Job und Wohnung. "Das Vertrauensverhältnis sei gestört. Ein harter Schlag und gleichzeitig der erlösende Schlussstrich unter ein zerrüttetes und belastendes Arbeitsverhältnis. Die Stiftung SOS Beobachter unterstützt Tedaldis bei der Suche nach einer neuen Wohnung, indem sie die Garantie für ein allfälliges Mietzinsdepot übernimmt.

Der Verwalter und der Vorstand der Alterssiedlung halten gegenüber "Quer" und Beobachter schriftlich fest, dass sie ihr Verhalten nach wie vor als gerechtfertigt erachten. Ein wichtiges Argument in den Schreiben sind Tedaldis Schulden und die Frage, ob seit dem Stellenantritt neue Schulden hinzugekommen sind. Da Tedaldis ihre Wohnungsmiete aber immer fristgerecht bezahlt haben, geht ihre finanzielle Situation niemanden etwas an. Zudem haben Tedaldis für ihre Dienstwohnung ein Depot bezahlt, das dem Vermieter eine ausreichende Sicherheit bietet.

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Ellen Tedaldi ist leider kein Einzelfall. Immer wieder melden sich Hauswarte mit ähnlichen Problemen beim Beratungszentrum des Beobachters. Gerade die heikle Verknüpfung von Arbeitgeber und Vermieter birgt viele Unklarheiten. Die Arbeitsrechtlerin und Beobachter-Redaktorin Irmtraud Bräunlich hat zu diesem Thema einen interessanten Artikel geschrieben. Sie kommentiert im "Quer" auch den Fall von Ellen Tedaldi.