Wer nicht jung, gesund und leistungsfähig ist, bekommt keinen Job, so die allgemeine Meinung. Daniel Illert, Eigentümer der Empire Parkett System GmbH in Winterthur, macht es scheinbar anders. Kürzlich hat er wieder einen randständigen jungen Mann eingestellt. Zuerst schickte er ihn jedoch zum Arzt - um seine Arbeitsunfähigkeit feststellen zu lassen. «Es gab keinen Grund, Arbeitsunfähigkeit zu attestieren», sagt der Mediziner, «da änderten auch Illerts tägliche Anrufe nichts daran.»

Der Unternehmer widerspricht: Er habe wissen müssen, ob der Mann trotz Methadon Holzbearbeitungsmaschinen bedienen dürfe. «Rund 20 Personen habe ich bereits therapiert dem Arbeitsmarkt zugeführt, nur zwei davon stürzten wieder ab, einer davon ist mein Zwillingsbruder», sagt er dem Beobachter. Die meisten Suchtkranken kämen aus der Klinik Hard in Embrach und der Forel-Klinik in Ellikon an der Thur.

In der Therapie arbeitet er nach seinen eigenen Angaben mit dem Blauen Kreuz, der Winterthurer Fachstelle für Alkoholprobleme (WFA) und dem Psychiater Axel Duffner zusammen. Zudem führt er selbst «therapeutische Gruppengespräche» und «Kreativitätsstunden» durch.

Dumm ist nur: Das Blaue Kreuz, die WFA, die Forel-Klinik und die Klinik Hard verneinen jede Zusammenarbeit. Psychiater Axel Duffner wird deutlich: «Eine Therapie mit Illerts Klienten ist bis auf eine Ausnahme nicht sinnvoll - die Leute sind zu stark von ihm abhängig.» Illert selbst hat keine therapeutische Ausbildung.

Die angeblichen Belege gibt es nicht



«Das Arbeitstempo ist anfangs langsam und von Therapien begrenzt. Deshalb sind einzelne Mitarbeiter auf staatliche Unterstützung angewiesen», erklärt Illert. Drei Leuten erspart er den Umgang mit Geld: Er verwaltet ihr Einkommen, inklusive Sozialhilfe oder IV-Rente, besorgt ihnen eine Unterkunft und bezahlt ihre Rechnungen.

Illerts Zwillingsbruder hält das für Abzockerei: «Er lässt die Arbeiter 150 Prozent arbeiten und bezieht dazu ihre Sozialgelder.» Illert kontert: «Mein Bruder versucht, mich überall schlecht zu machen. Ich habe der Winterthurer Sozialberatung exakte Abrechnungen über die Finanzen meiner Klienten zugestellt.»

Die Vorsteherin der Sozialberatung, Daniela Moro, die auf Wunsch der Klienten die Sozialhilfe an Illert ausgezahlt hat, schreibt hingegen, «dass uns keinerlei Belege oder detaillierte Abrechnungen vorliegen». Sie hegt erhebliche Zweifel an der zweckmässigen Verwendung dieser Gelder, die nun den Klienten direkt überwiesen würden. Eine Anzeige schliesst sie aber aus: «Die Sozialhilfe wurde auf Wunsch der Klienten an Illert überwiesen. Bei falscher Verwendung könnten nur sie gegen ihn vorgehen.»