Mit Inseraten ködert Jose Gsell von der Firma Tiercare arbeitslose Tierfreunde: Sie sollen als Tiercare-Partner für Haustiere sorgen, deren Besitzer in den Ferien oder sonst wie abwesend sind. Die Aufträge für diesen Tierhütedienst, so verspricht Gsell, würden von seinem Unternehmen vermittelt.

André Pöllinger, Mitte 50, sah wieder eine Zukunft, als er im März 2005 den Franchisevertrag von Tiercare unterschrieb. Das Angebot schien dem IV-Bezüger perfekt, zumal er schon immer mit Tieren arbeiten wollte und seine Rente zum Leben kaum reicht. Für 3500 Franken Einstiegsgebühr wurde er «Centerleiter des Kantons Aargau». Aufträge erhielt er aber fast keine. «Der hohe Betrag hätte mich stutzig machen müssen, aber ich war vom Konzept überzeugt», sagt er.

«Ein wenig über den Kopf gewachsen»

Jacqueline Kohler berichtet von ähnlichen Erfahrungen. Sie arbeitete ein Jahr als «Tiercare-Partner». Für 300 Franken Einstiegsgebühr erhielt sie das Firmenhandbuch und Werbematerial. Auf die versprochene Grundausbildung wartete sie vergeblich. «Die Ausbildung hat stattgefunden», sagt dagegen Gsell. Das Unternehmen habe sich im Aufbau befunden. «Alle wussten, dass sie sich nicht ins gemachte Nest setzen konnten», so Gsell.

Die wenigen Aufträge von Gsell seien jeweils kurzfristig gekommen, mitunter nur wenige Stunden vor dem Einsatz. «Um seriös arbeiten zu können, müsste man doch das Tier und dessen Besitzer zuerst kennen lernen», meint Kohler. Irritierend für sie: Beim Einfordern der Provisionen war Gsell jeweils schnell zur Stelle.

«Kann sein, dass mir das Ganze am Anfang ein wenig über den Kopf gewachsen ist», so Gsell; gleichzeitig lacht er aber über die Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden. Das sei nur Missgunst, heute funktioniere alles bestens. «Warum versucht er mich dann mit Drohungen einzuschüchtern?», fragt sich Kohler. Sie hat nach dem Ausstieg bei Tiercare ein eigenes Tierbetreuungsunternehmen gegründet; Gsell droht ihr nun mit Klage. Inzwischen sind Kohler und Pöllinger auch auf andere Ex-Tiercare-Partner gestossen, die mit der Firma schlechte Erfahrungen gemacht haben − «nun wollen wir gemeinsam vor Gsells Machenschaften warnen».