Die Leitung der Universität Zürich hat vom Zürcher Regierungsrat einen Denkzettel erhalten. Anfang 2003 hatte sie die Theologieprofessorin Ellen Stubbe entlassen (siehe Artikel zum Thema «Universität Zürich: Intrigieren geht über Studieren»). Der Regierungsrat hiess nun einen Rekurs von Stubbe teilweise gut und spricht ihr neben der bereits erhaltenen Abfindung von zwölf Monatslöhnen weitere drei Monatsgehälter zu. Er hält fest, dass die Kündigung ohne «sachlich zureichenden Grund» erfolgt sei.

An der Theologischen Fakultät wurden personelle Konflikte bewusst hochgespielt, so dass Rektor Hans Weder und Dekan Ingolf U. Dalferth die vermeintliche Lösung nur noch in der Entlassung von Stubbe sahen. Gegen sie hatten verschiedene Unterstellte und Kollegen ein eigentliches Kesseltreiben inszeniert, und das erst noch, als sie schwer krank war. Rektor Hans Weder liess eine aufwändige und für Stubbe demütigende Administrativuntersuchung durchführen. Stubbe wurde freigestellt und zur Alleinverantwortlichen des Konflikts gemacht. Zu Unrecht: Der Regierungsrat stellt nun fest, dass es aus Stubbes Sicht «nachvollziehbar» sei, sich als Opfer einer Verschwörung zu fühlen.

Ellen Stubbe ist heute arbeitslos. Mit der Entlassung zerstörte die Universitätsleitung ihre akademische Karriere. Das könnte für die Uni teuer werden. Anwalt Daniel Vischer reichte in Stubbes Auftrag beim Universitätsrat eine Haftungsklage über einen höheren Millionenbetrag für entgangene Löhne, Rentenverlust und weitere Kosten ein. Eine weitere Millionenrechnung für den ideellen Schaden und Genugtuung folgt. Gibts keine Einigung, will Vischer das Geld zivilrechtlich eintreiben. Nach dem Verdikt des Regierungsrats hat Stubbe gute Karten für eine angemessene Entschädigung.

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