Beobachter: Die Arbeitgeber lösen Probleme mit schwierigen Mitarbeitern vielfach, indem sie sie entlassen. Machen sie es sich da nicht etwas einfach?
Barbara Gutzwiller: Überhaupt nicht. Arbeitgeber versuchen im Schnitt während rund dreier Jahre, Lösungen für die Mit­arbeiter zu finden. Sie führen Gespräche, hinterfragen ihren eigenen Führungsstil, die Or­ganisation des Unternehmens, die Zusammensetzung der Teams.

Beobachter: Um die «Schwierigen» dann eben doch zu entlassen.
Gutzwiller: Irgendwann sind sie hilflos. Sie gelangen an einen Punkt, an dem sie nicht mehr weiterwissen. Dann entlassen sie lieber einen schwierigen Mitarbeiter, als Kündigungen von Team­kollegen zu riskieren, die unter dem schlechten Arbeitsklima leiden.

Beobachter: Warum kommen Arbeitgeber ­eigentlich so selten auf die Idee, Unterstützung von aussen ­beizuziehen, zum Beispiel in Form eines Arztes?
Gutzwiller: Bislang fehlt häufig noch das Bewusstsein, dass das schwierige Verhalten eines Mitarbeiters auch Ausdruck einer Depression oder einer Persönlichkeitsstörung sein kann. Personalverantwortliche gehen oft von blossen Charakterproblemen aus.

Beobachter: Warum ist für die meisten Arbeitgeber eine Zusammenarbeit mit der IV kein Thema?
Gutzwiller: Weil die IV bei den meisten nicht als Problemlöserin ver­ankert ist. Sie hat jahrzehntelang Versicherte verwaltet und musste sich nie als Partnerin der Unternehmer prä­sentieren. Deshalb wissen viele Firmen gar nicht, welche Möglichkeiten die IV hat. Sie muss in den Betrieben präsenter werden.

Beobachter: Wie denn?
Gutzwiller: Indem sie Informationsmate­rial bereitstellt und Veranstaltungen durchführt. Vor allem aber auch, indem sie Firmen besucht und sich um Kontakte zu Personalverantwortlichen bemüht.

Beobachter: Was erwarten Arbeitgeber denn von der IV?
Gutzwiller: Wenn sich ein Personalverantwortlicher mit einem schwierigen Mitarbeiter konfrontiert sieht, muss er sich bei der IV melden können und unkom­pliziert Begleitung erhalten – für sich, für den Mitarbeiter, für das Team. So müssen Schwierigkeiten nicht mehr auf dem Buckel des Teams ausgetragen werden, und der schwierige Mitarbeiter – der seine Arbeitsleistung meistens ja durchaus erbringt – kann im Betrieb ­bleiben.