Wer für Andreas Brehm, Inhaber der Versicherungsberatungsfirma Info Prime in Bern, tätig gewesen sei, nenne sich entweder «brehmgeschädigt» oder habe ein «Probrehm», sagt die ehemalige Beraterin Birgit Jaussi ironisch. Wirklich lachen konnten die rund zehn Exmitarbeiter der Info Prime bei ihrem ersten «Geschädigtentreffen» im letzten Herbst aber nicht – lernte man doch eine Reihe neuer Leute kennen, die den gleichen Ärger erfahren mussten.

Auf Klage folgte Gegenklage

«Meines Wissens erhielt kein Mitarbeiter je eine korrekte Lohnauszahlung», sagt der ehemalige Brehm-Mitarbeiter Walter Trummer. Und ein weiterer Exmitarbeiter verlangt: «Brehm muss gestoppt werden», sonst würden noch weitere Ahnungslose um ihren Lohn gebracht. Wie etwa Willi Ming aus Bern. Letzten September hatte er als Versicherungsberater bei der Info Prime angefangen. Nach zwei Monaten Arbeit sei kein einziger Rappen Lohn überwiesen worden, obwohl er viele Abschlüsse habe vorweisen können. Schliesslich forderte er sein Geld vor dem Arbeitsgericht ein.

Doch Brehm drehte den Spiess um: Er reichte Gegenklage ein und verlangte seinerseits 33'600 Franken Entschädigung. «Ming hat mich beim Vorstellungsgespräch getäuscht, zudem ist er nebenbei anderen Tätigkeiten nachgegangen», begründete Brehm seine Klage. Doch damit kam er nicht durch: Nach der Verhandlung unterschrieb Brehm einen Vergleich und erklärte sich bereit, dem Mitarbeiter 5253 Franken zu zahlen.

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«Ob Ming dieses Geld je sehen wird, steht in den Sternen», sagt Manfred Künzi, der wie Birgit Jaussi einen Teil seiner Lohnforderungen vom Arbeitsgericht zugesprochen erhielt. Trotz Gerichtsbeschluss weigerte sich Brehm auch in ihrem Fall, zu zahlen. Seine Begründung: Nicht er schulde Künzi und Jaussi Geld, sondern umgekehrt. «Die haben alle Verträge bei ihren Kunden wieder kündigen lassen und bei anderen Gesellschaften platziert, um doppelt Provision zu kassieren.» Birgit Jaussi verklagte ihren ehemaligen Chef daraufhin wegen Verleumdung – Brehm wurde zu einer Busse verurteilt. Auf ihr Geld warten Jaussi und Künzi noch immer.

Der Ex-Chef streitet alles ab

Trotz gegenteiligen Urteilen bestreitet Brehm vehement, seine Angestellten um den Lohn geprellt zu haben: «Von 2001 bis 2003 haben über 16 Personen für uns gearbeitet, die ihre Lohnabrechnung und deren Überweisung korrekt erhalten haben.» Und der Info-Prime-Chef denkt auch nicht ans Aufhören. Im Januar stellte er eine Sekretärin ein, zudem schult er wieder neue Berater für die Firma.

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Rechtlich seien Brehms unternehmerische Aktivitäten schwer zu stoppen, sagt Beat Brüllhart, Sprecher des Arbeitsgerichts Bern. «Nur wenn der dringende Verdacht einer betrügerischen Absicht vorliegt, schalten wir den Untersuchungsrichter ein.» Schweren Betrug oder Veruntreuung von Geldern kann man Brehm jedoch nicht anlasten, dem Arbeitsgericht sind somit die Hände gebunden.

Nicht nur die Interessengemeinschaft Trummer, Künzi & Co hat Probleme mit ihren Gehaltsforderungen. Lohnauseinandersetzungen seien branchentypisch, sagen Insider. Zuletzt in die Schlagzeilen geriet die Neutrale Versicherungsbörse, die wie die Info Prime mit den Löhnen nicht mehr nachkam und Konkurs anmelden musste.

Markus Kiener, selbst in der Vermittlerbranche tätig, ortet vor allem bei den Auftraggebern Handlungsbedarf: «Leider legen zu wenige Versicherungsgesellschaften Wert darauf, wer mit ihnen zusammenarbeitet. Hauptsache, die Vermittler machen genügend Abschlüsse.»

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