Frage von Marcel L.: «Immer wieder höre ich in der Firma von Kollegen, die wegen einer Erschöpfungsdepression aussetzen müssen. Was steckt dahinter? Wie kann ich verhindern, dass ich selbst in ein Burn-out rutsche?»

Ein Zusammenbruch der Arbeits­fähigkeit wird Burn-out-Syndrom genannt. Ein Burn-out hat ein Bündel von Ursachen, unter denen die objektiv messbare Arbeitsbelastung natürlich ein Element ist.

Noch wichtiger aber ist der persönliche Umgang mit den Belastungen. Was für eine Beziehung hat man zu seiner Arbeit, wie geht man mit dem Druck um?

Burn-out Gefährdung anhand des Arbeitstyps erkennen

An der Universität Potsdam wurde ein Instrument entwickelt, um ein drohendes Burn-out zu erkennen. Es beschreibt sogenannte arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster und unterscheidet vier Grundhaltungen, die man seiner Arbeit gegenüber einnehmen kann:

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  • Am ungesundesten ist das Muster A, bei dem sich hoher Perfektionismus und grosse Bedeutung der Karriere mit einer schlechten Abgrenzung vom Beruf verbinden. Solche Berufstätige stehen praktisch Tag und Nacht unter Strom.
     

 

  • Das Muster S wird als Schonmuster bezeichnet. Diesen Berufstätigen ist die Arbeit nicht besonders wichtig, und sie haben wenig Ehrgeiz und Perfektionsstreben. Hier besteht zwar keine Burn-out-Gefahr, aber es gibt auch keine berufliche Entwicklung.
     

 

  • Muster B ist das eigentliche Burn-out-Muster. Die Arbeit wird ernst genommen, aber man ist ihr nicht mehr gewachsen; man resigniert und verliert Kraft und Optimismus.
     

 

  • Das gesündeste Muster G ist charakterisiert durch hohes Engagement und Ehrgeiz – aber gleichzeitiger Fähigkeit, nach der Arbeit abzuschalten. Wer dieses Gleichgewicht findet, kann beruflichen Erfolg haben, ohne seiner Gesundheit zu schaden, kann hart arbeiten und sich dabei wohl fühlen.
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Die buddhistische Methode: Achtsamkeit

Aber wie schaltet man ab? Theoretisch ist es einfach: Es muss uns gelingen, immer im Hier und Jetzt zu leben. Zum Beispiel muss man fähig sein, sich um Probleme erst dann zu kümmern, wenn sie wirklich anfallen, und nicht schon lange vorher über mögliches Scheitern nachzugrübeln. Zudem darf man nicht vergangenen Misserfolgen nachhängen.

Die buddhistische Philosophie lehrt schon immer eine solche Haltung. Sie wird Achtsamkeit genannt. Achtsamkeit heisst, auf eine bestimmte Weise aufmerksam zu sein: bewusst, im gegenwärtigen Augenblick und ohne zu urteilen. Jeder Mensch hat diese Fähigkeit, aber sie lässt sich durch Training entwickeln und verfeinern: zum Beispiel mit Jon Kabat-Zinns Methode MBSR (Mindfulness-Based Stress Reduction; siehe Buchtipps).

Trainierte Achtsamkeit lässt sich mit dem Lichtkegel einer Taschenlampe vergleichen. Ohne sich ablenken zu lassen, richtet man seine Aufmerksamkeit auf das im Augenblick gerade Wichtige, auf die anstehende Aufgabe, auf die momentanen Gefühle, auf die gerade wichtige Person oder Information. Das «Abschalten» geschieht also automatisch, weil man seine Aufmerksamkeit gezielt auf das Wesent­liche fokussieren kann.

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Die Lebensqualität allgemein steigern

Doch Achtsamkeit dient nicht bloss gestressten Managern, sondern erhöht die Lebensqualität von jeder und jedem. Normalerweise ist unser Geist unruhig, schweift sofort ab: Einfälle, Erinnerungen, Zukunftsphantasien, Befürchtungen, Körperempfindungen und so weiter melden sich. Buddhisten sagen, der Geist gebärde sich wie eine Horde Affen. In der Achtsamkeit hingegen sind wir freundlich akzep­tierend präsent, und zwar gerade hier und jetzt. Genau in diesem kurzen Moment der Gegenwart findet das Leben statt, und daher ist das die einzige Möglichkeit, wirklich Einfluss darauf zu nehmen.

Buchtipps

  •  Jon Kabat-Zinn, Marion Kroh: «Gesund durch Meditation. Das grosse Buch der Selbstheilung»; Verlag Droemer/Knaur, 2011, 352 Seiten.
  • Edel Maex: «Mindfulness. Der achtsame Weg durch die Turbulenzen des Lebens»; Verlag Arbor, 2009, 260 Seiten
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