Manager verhandeln eiskalt und lassen sich ihre Abgangsentschädigungen bereits im Anstellungsvertrag absichern - ein meist falsches Vorurteil. «Abfindungen sind weder in Anstellungsverhandlungen ein Thema, noch werden sie in Verträgen festgehalten», versichert der Zürcher Unternehmensberater Klaus J. Stöhlker. Ausnahmen gebe es bei der Besetzung besonders exponierter Stellen und für den Fall der Firmenübernahme. Es sei ungeschriebenes Gesetz, dass jemand, der weitgehend einen guten Job gemacht habe, noch etwas bekommt, wenn man ihn loshaben will.

Dies hat laut Stöhlker auch mit der kleinräumigen Schweiz zu tun: «Man kennt sich, läuft sich immer wieder über den Weg, im Rotary- oder Golfklub. Das fördert die gemeinsame Erwartungshaltung.» Mit dem Geld wird auch die Loyalität des Abgängers erkauft - er soll nicht schlecht über die Firma reden. Zudem kann eine Abfindung für ein Verbot entschädigen, bei der Konkurrenz anzuheuern.

Gesetzlicher Anspruch für Staatsdiener

Anders die Ausgangslage für Staatsangestellte: Viele haben einen gesetzlichen Anspruch auf Abfindungen zwischen einem Monats- und einem Jahreslohn, also deutlich weniger als in der Privatwirtschaft. Begründet werden sie mit spezifischen Qualifikationen der Staatsdiener, was ihnen die Stellensuche erschwere. Man fragt sich, ob dann mit dem Geld nicht besser Umschulungen bezahlt werden sollten.

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Weshalb profitieren nicht alle von Abfindungen? Dass einfache Arbeitnehmer auch einfacher eine Stelle finden, ist kaum mehr als eine Schutzbehauptung. Lohnt es sich also für alle, das Thema Abfindung anzusprechen? «Kaum», meint Stöhlker. «Abfindungen für alle wären schlicht zu teuer. Das ist eine Frage der Menge.»

Die Initiative gegen Abzockerei von Trybol-Geschäftsführer Thomas Minder setzt denn auch oben an: Abfindungen sollen verboten werden, zumindest für börsenkotierte Unternehmen. Minder: «Gerne würde ich auch etwas gegen die Abfindungen für Staatsangestellte unternehmen. Wenn ich bloss mehr Geld dafür hätte.»