Wer schlechte Botschaften überbringt, dem kann es an den Kragen gehen. So sieht es auch die Zürcher Pflegehilfe Silvia Lentini: «Ich wurde eine Stunde vor Nachtarbeitsbeginn zitiert. Die Pflegedienstleiterin teilte mir mit, dass ich ihr Vertrauen verloren hätte, der Geschäftsleiter sprach die Kündigung aus.»

Vier Jahre hat Lentini, 37, im Alters- und Pflegeheim Rosengarten in Gossau ZH gearbeitet. «Zur vollsten Zufriedenheit» ihres Arbeitgebers, wie ein Zwischenzeugnis festhält; in einer Mitarbeiterbeurteilung vom April letzten Jahres erhält sie ein «A». Das steht für «deutlich über den Erwartungen». Die Stimmung ihrer Vorgesetzten aber kehrte sich ins Gegenteil, als Lentini in ihrer Eigenschaft als Sicherheitsbeauftragte einen Bericht zur Situation im Heim verfasste.

Der Bericht ist kritisch. «Bewohnerinnen und Bewohner werden nicht mit der nötigen Sorgfalt behandelt», heisst es darin. Zu viele Pflegende sprächen ungenügend Deutsch. Ebenfalls problematisch: Eine Pflegende schüchtere die Bewohner mit ihrem Kommandoton ein. Eine Woche nachdem sie diese Kritik formuliert hatte, war Lentini draussen.

Der Geschäftsführer des Alters- und Pflegeheims Rosengarten, Jean-Jacques Wymann, weist alle Vorwürfe zurück. «Bei Befragungen von Bewohnern und Angehörigen stellen wir immer eine hohe Zufriedenheit fest.» Ausserdem, so Wymann weiter, habe das Amt für Wirtschaft und Arbeit dem Heim einen hohen Standard in der Sicherheit am Arbeitsplatz attestiert. Zwischen Lentinis Kündigung und ihrer Kritik bestehe nicht der geringste Zusammenhang.

Lentini ist nicht die Einzige, die die Zustände im Heim moniert. «Ich möchte dort nicht wohnen», sagt Maja Bodenmann. Sie hatte früher im Heim die Pflegedienstleitung inne. Bis ihr gekündigt wurde. Begründung: gestörtes Vertrauensverhältnis. Eine andere Pflegerin verliess das Heim von sich aus: «Es gibt keine Strukturen, dafür Mobbing. Die Bewohner werden schlecht behandelt.» Und ein Angehöriger, der seine Mutter im Heim hatte, sagt: «Teilweise sind die Bewohnerinnen und Bewohner unglücklich. Das mag mit der Pflege zusammenhängen.»

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