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Autosalon GenfHyundai lässt Frauen sitzen

Mehr als 20 Studierende sollten am Auto-Salon Genf für Hyundai arbeiten. Nun bremst man sie aus.

Die Hostessen am Genfer Autosalon sind meistens Studentinnen.
von aktualisiert am 22. November 2018

Einige Besucher gehen wegen der Autos, andere wegen der Kurven. Anna Molinari* lockte der Lohn: Bereits zum fünften Mal wollte sie im März 2019 als Hostess am Genfer Auto-Salon arbeiten. Im August unterschrieb sie den Vertrag mit Hyundai Suisse. 4450 Franken für eine Schulung, einen Einführungstag und 13 Arbeitstage – nicht schlecht.

Doch Ende Oktober teilt ihr Hyundai mit, man werde nicht am Auto-Salon teilnehmen. «Dies hat zur Folge, dass wir Sie nicht beschäftigen und auch keinen Lohn bezahlen können.» Als Entschädigung erhalte Molinari 200 Franken. Damit gibt sie sich nicht zufrieden: «Ich habe sonst keine Möglichkeit, so viel Geld in so kurzer Zeit zu verdienen. Mit dem Einkommen habe ich fest gerechnet!»

Keine Reaktion

Mehr als 20 weitere Studierende sind betroffen. Einige haben Hyundai in einem Einschreiben aufgefordert, den ganzen Betrag zu erstatten. Doch der Konzern reagierte nicht. Der Fall müsse intern geprüft werden, heisst es auf Nachfrage.

«Es ist richtig, dass Betroffene sich wehren», sagt Beobachter-Expertin Irmtraud Bräunlich. «Im befristeten Vertrag wurden weder eine Kündigungsmöglichkeit Rücktritt vom Vertrag Ich habs mir anders überlegt! noch eine Probezeit vereinbart – so einfach kann sich Hyundai Suisse nicht aus der Affäre ziehen.» Besonders stossend: Wenn Molinari ohne wichtigen Grund ausgefallen wäre, hätte sie laut Vertrag 1000 Franken Strafe bezahlen müssen.

Bräunlich rät Betroffenen, ihre Arbeit für die fragliche Zeit ausdrücklich anzubieten. Wenn sie bis März keinen anderen Job finden, können sie den vollen vereinbarten Lohn einfordern. Falls sie einen schlechter bezahlten Job finden, immerhin die Differenz. Lenkt die Firma nicht ein, wäre der nächste Schritt ein Schlichtungsverfahren Zivilprozess Zum Schlichter statt zum Richter .

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Jasmine Helbling, Online-Redaktorin

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