Dass in seinem Computer herumgeschnüffelt wurde, hatte Reto Fleiner (Name geändert) schon seit einiger Zeit vermutet. Die Stimmung in der IT-Abteilung des grossen Dienstleistungsunternehmens, wo Fleiner arbeitete, war schon lange schlecht. Ein Kollege bestätigte ihm schliesslich den bösen Verdacht: Die beiden als «privat» definierten Laufwerke von Fleiner und drei Kollegen waren ohne ihr Wissen auf bestimmte Stichwörter abgesucht worden, und auch ihre E-Mails hatte jemand kopiert. Durchgeführt hatten diese Spionageaktion ein Kollege Fleiners und sein Chef.

Bei Fleiners Arbeitgeber war man damals auf der Suche nach Lecks: Am Hauptsitz der angeschlagenen Firma kursierte eine geheime Liste mit den Namen von Angestellten, die, um sie an die Firma zu binden, zusätzlich zum normalen Lohn ein Jahressalär erhalten sollten.

Schnüffeln mit richterlichem Segen

Um das Leck zu finden, war jedes Mittel recht: Nachdem die Schnüffelei in den Laufwerken der vier Verdächtigten nichts ergeben hatte, wurden die Computer aller Angestellten gescannt. Informiert wurde erst nachträglich – eine klare Verletzung der Privatsphäre. Gefunden wurde das Leck nicht. Einzig auf Fleiners Laufwerk fand sich ein Dokument mit einem verdächtigen Stichwort – eine harmlose Präsentation. Der IT-Spezialist kann auch heute noch nur spekulieren, wer sie auf sein Laufwerk kopiert hat: «Selber hatte ich keine Zugriffsberechtigung für solche Dokumente.»

Fleiner hatte ob der Schnüffelei genug und kündigte. Gegen seine ehemalige Arbeitgeberin reichte er Strafanzeige ein, unter anderem wegen unbefugter Datenbeschaffung – ohne Erfolg: Der Staatsanwalt trat nicht auf die Anzeige ein. Seine lapidare Begründung: Die beiden IT-Verantwortlichen, die den Scan durchführten, hätten «kraft ihrer Funktion ungehinderten Zugang» zu Fleiners Daten gehabt und deshalb nicht unbefugt gehandelt. Womit Fleiners Befürchtungen bestätigt waren.