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HausangestellteMuss ich die Putzfrau auch zahlen, wenn sie krank ist?

Muss ich die Putzfrau auch zahlen, wenn sie krank ist?
Bild: Stock-Kollektion colourbox.com

Frage: Seit Jahren beschäftigen wir eine Putzfrau. Natürlich rechnen wir mit der AHV ab und haben auch eine Unfallversicherung abgeschlossen. Nun ist die Frau aber ernsthaft erkrankt. Müssen wir sie weiterhin bezahlen, obwohl wir selber putzen müssen?

von Laurence Eigenmann

Ja, das müssen Sie. Wer eine Putzfrau oder sonstige Hausangestellte beschäftigt, gilt als normaler Arbeitgeber – mit allen Rechten und Pflichten. Diese sind grundsätzlich im Obligationenrecht (OR) beschrieben. Bei hauswirtschaftlichen Angestellten gelten aber noch weitere, kantonale Bestimmungen, die die Arbeitsbedingungen regeln, die sogenannten Normalarbeitsverträge (NAV). In den meisten NAV werden Arbeitgeber verpflichtet, eine Krankentaggeldversicherung für ihre Hausangestellten abzuschliessen, die während 720 Tagen ein Taggeld von 80 Prozent zahlt. Erfüllen die Arbeitgeber diese Pflicht nicht, müssen sie für den Schaden geradestehen.

In einem schriftlichen Vertrag können zwar vom NAV abweichende Regelungen getroffen werden; fehlt jedoch ein solcher Vertrag, gilt der NAV des Wohnkantons automatisch. Da Sie keinen schriftlichen Vertrag abgeschlossen haben, ist das auch bei Ihnen der Fall. Sieht der NAV Ihres Wohnkantons eine Pflicht zum Abschluss einer Krankentaggeldversicherung vor und haben Sie keine solche abgeschlossen, müssen Sie der Angestellten 80 Prozent des Lohns so lange zahlen, bis sie wieder gesund ist – gegebenenfalls bis zu 720 Tage lang.

Versicherung finden: sehr schwierig

Da es sich als sehr schwierig erweisen kann, eine Krankentaggeldversicherung für eine Putzfrau zu finden, ist es oft unumgänglich, die Gültigkeit des NAV auszuschliessen, um bei Krankheitsabsenzen nicht übermässig lange selber zahlen zu müssen. Wird der NAV in einem schriftlichen Vertrag wegbedungen, gilt die übliche Regelung gemäss OR. Danach dauert die Lohnzahlung im ersten Dienstjahr drei Wochen, nachher eine «angemessene längere Zeit» gemäss den von den Zürcher, Berner und Basler Gerichten entwickelten Skalen.

Links zu den kantonalen NAV und Angaben zu den genannten Skalen finden Sie auf HelpOnline.

Veröffentlicht am 2009 M11 23