Eine Festplatte komplett kopieren, E-Mails nach beliebigen Kriterien analysieren, mehrfach gelöschte Daten wiederherstellen, in kürzester Zeit, auf Tausenden von Computern ferngesteuert gleichzeitig: Das kann das Spionageprogramm EnCase. Kein Wunder, nutzen es Sicherheitsbehörden und Geheimdienste. Aber auch Firmen wie der amerikanische Technologiekonzern Honeywell haben das Tool entdeckt, um damit ihre Mitarbeiter zu überwachen. Auf nahezu allen Computern der Firma sei EnCase installiert, enthüllte das deutsche Nachrichtenmagazin «Spiegel».

Virenschutz als Begründung

Auch in der Schweiz ist Honeywell vertreten. An sieben Standorten arbeiten über 500 Angestellte. Eine deutsche Firmensprecherin bestätigt dem Beobachter, dass EnCase auch auf den Schweizer Computern installiert ist. Das Programm soll Daten schützen und Virenangriffe abwehren. «Honeywells Firmen­politik verhindert, dass Unter­suchungen von Mitarbeitern mit der Software in Europa eingesetzt werden», so die Sprecherin.

Doch wozu wurde EnCase dann installiert? Für die Virenabwehr gäbe es effektivere Software. Fest steht: Würde Honeywell EnCase einsetzen, verstiesse die Firma in der Schweiz gleich gegen mehrere Gesetze. «Das Arbeitsrecht untersagt die ständige Überwachung der Angestellten», sagt Beobachter-Arbeitsrechtsexpertin Irmtraud Bräunlich. Auch der Datenschutz verbietet den Einsatz von Spionprogrammen. Erlaubt wäre dieser nur anonymisiert, nach Ankündigung oder aufgrund eines konkreten Verdachts.

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Die Firmensprecherin versucht zu beruhigen: «Honeywell wird EnCase nicht aktivieren, ohne die notwendigen Gesprä­che mit den jeweiligen Betriebsräten.» Installiert, aber nicht aktiviert? Diese Abgrenzung ist nicht kontrollierbar. Und: Betriebsräte? Die gibts bei Honeywell Schweiz gar nicht, muss die Honeywell-Sprecherin einräumen.