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LohnkürzungBlochers Zeitungsverträger hat die Nase voll

«Falls die Lohnsenkung nicht rückgängig gemacht wird, höre ich auf»: Zeitungsverträger Heinz Jordi

Die Zustellorganisationen senken gleichzeitig die Löhne der Zeitungsverträger in den Regionen Zürich und Basel. Dahinter steckt die Post, die sich für den Wettbewerb fit trimmt.

Von aktualisiert am 09. April 2009

Die Fernsehsendung «10 vor 10» verschläft Heinz Jordi regelmässig. Wenn die Sendung läuft, ist der 68-Jährige längst nicht mehr wach, schliesslich muss er jeden Tag um 4 Uhr aus den Federn. Eine Viertelstunde später beginnt er jeden Werktag seine Tour: Er verteilt Zeitungen in Briefkästen in der Zürcher Gemeinde Herrliberg. Auch Alt-Bundesrat Christoph Blocher bringt er früh am Morgen die Neue Zürcher Zeitung, die Zürichsee-Zeitung und jeden Donnerstag die Weltwoche. «Ich treffe ihn manchmal an. Doch wenn er seine Zipfelkappe an hat, erkennt man ihn fast nicht», sagt der Zeitungsverträger. Die Arbeit macht ihm Spass, doch nach sechs Jahren hat er jetzt die Nase voll. Grund ist ein Schreiben seines Arbeitgebers: Darin kündigt die Zustellorganisation Zuvo an, sein Lohn werde gekürzt. Für rund zehn Prozent weniger soll er weiterarbeiten.

Über 2200 Frühzusteller in der Grossregion Zürich, wie die Zeitungsverträger im Jargon heissen, erhielten diesen Brief. Im Durchschnitt senkt die Zuvo die ohnehin tiefen Löhne um 9,3 Prozent, bei vielen sinkt er gar um bis zu 20 Prozent. Übrig bleibt ein Nettlohn von Fr. 17.32 pro Stunde (im Kanton Zürich gibts Fr. 18.81). Zuvo-Sprecherin Sonja Levy betont, die Firma habe die Löhne mit der Konkurrenz verglichen und realisiert, dass sie zu hoch seien. «Wir verstehen, dass die Angestellten aufgebracht sind. Aber ohne die geplante Lohnsenkung wird es für die Zuvo nicht mehr möglich sein, konkurrenzfähige Dienstleistungen zu erbringen», sagt die Firmensprecherin.

Die Angestellten wollen sich die Lohnkürzung aber nicht bieten lassen. Arbeitnehmervertreter Peter Meier verhandelt noch intensiv, betont aber, die meisten Zeitungsverträgerinnen und Zeitungsverträger seien bereit, bis zum Äussersten zu gehen und zu streiken.

«Noch mehr wegzunehmen, ist verwerflich»

Nur einen Tag bevor die Zuvo die Lohnsenkung ankündigte, verschickte die Basler Zustellorganisation Prevag an rund 500 Frühzusteller einen sehr ähnlichen Brief. Der Kostendruck bei den Zeitungen habe stark zugenommen, deshalb müssten «die Arbeitsbedingungen angepasst werden». Auch ihr Lohn sollgesenkt werden auf neu netto Fr. 19.30 pro Stunde. Wie viel die Lohnsenkung im Durchschnitt beträgt, will die Prevag auf Anfrage nicht beziffern. Die Gewerkschaft Kommunikation hat ausgerechnet, dass es um rund 15 Prozent weniger Lohn geht. «Wir werden diese Lohnsenkung nicht zulassen. Angestellten, die sowieso schon am unteren Ende der Lohnskala sind, noch mehr wegzunehmen, ist verwerflich», sagt Regionalsekretär Daniel Münger.

Wer aber steckt hinter der konzertierten Aktion? Die Basler Prevag ist seit letztem Jahr eine 100-prozentige Tochter der Post. Bei der Zürcher Zuvo sind offiziell zwar noch die beiden Verlagshäuser TA-Media und NZZ verantwortlich. Doch seit letztem Herbst ist bekannt, dass die Post 75 Prozent der Zürcher Zuvo übernehmen will. Verzögert wurde der Deal nur deshalb, weil die Wettbewerbskommission den Fall noch prüft. Post-Pressesprecher Richard Pfister will deshalb die Lohnsenkungen der Zuvo nicht kommentieren. Bei der Prevag hingegen erklärt er, müssten die Löhne gesenkt werden, um den Zeitungsverlagen konkurrenzfähige Preise anbieten zu können.

Hintergrund der Entwicklung ist die Postmarktliberalisierung. Die Post rüstet sich für den Wettbewerb und hat deshalb etliche Firmen aufgekauft oder sich daran beteiligt, um ihre Position zu festigen. In diesen Firmen aber stehen die Löhne stark unter Druck. So deckte der Beobachter erst vor kurzem den Fall eine Fahrerin auf, die für nicht einmal 14 Franken Stundenlohn brutto für die Post unterwegs war (siehe «Artikel zum Thema»).

Für den Zeitungsverträger Heinz Jordi ist klar: «Falls die Lohnsenkung nicht rückgängig gemacht wird, höre ich auf.» Dann wird sich auch Alt-Bundesrat Christoph Blocher damit abfinden müssen, dass ihm ein neues Gesicht für noch weniger Lohn jeden Morgen die Zeitungen bringt.

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12 Kommentare

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Agnes Stöckli
Ich bin der Region um Basel tätig, stehe jeden Tag 6x die Woche um 3 Uhr auf bekomme aber nur 1½ bezahlt. Begründung vom Arbeitgeber hast zu lange für so eine Trägertour bis Du einfach Zu langsam und ungeignet als Zeitungsverträger der Frühzustellung. Stundenansazt Grundlohn Sfr.17.65 Total mit Gesätzlicher Nachzulage Sfr.26.48 Das erst noch Brutto

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Blaser
Solange die Gewerkschaften von Tamedia, NZZ, ZUVO und Post nicht hinter den ZeitungsverträgerInnen steht passiert gar nichts. Grund, man nützt eben all diese VerträgerInnen aus, die eben auf diesen Lohn an gewiesen sind. Wenn Herr Jordi geht, dann wird ein anderer VerträgerIn eingestellt wo auf den Lohn angewiesen und ausgenützt wird. Auch wir gehören leider dazu, meine Frau und ich. Ich,seit Apri09 Kurzarbeit und dann noch die Lohnkürzung bei ZUVO. Doch was interessiert das die Herren Managerli mit hohen Löhnen und eben was nützen all die Gewerkschaften? Das andere Problem, es werden nicht alle ZeitungsverträgerInnen informiert was geht und so beibt es nur bei Einigen die streiken und ob es nützt, oder schadet werden wir sehen?

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T.N., Winterthur
Ich habe 1994 und 1995 den Landboten in Winterthur zugestellt und war damals noch von der Ziegler Druck angestellt. Ich verdiente für meine Tour ca. 1'350 Franken brutto. An Weihnachten bekamen wir Frühzusteller jeweils 400 Franken Weihnachtsgeld. Und heute, da wir für die ZUVO schuften und inzwischen 8 verschiedene Zeitungen und Zeitschriften zustellen müssen, erhalten wir einen absolut lausigen Lohn. Ich dachte immer, die Sklaverei sei schon lange abgeschafft worden. Natürlich ist sich die ZUVO bewusst, dass viele von uns auf den Lohn (auch wenn er lausig ist) angewiesen sind und uns deshalb so viel gefallen lassen. Hoffentlich geht für die ZUVO bei der Art und Weise wie sie ihre Mitarbeiter behandelt, der Schuss irgendwann nach hinten los....Verdient hätten sie's.

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Varvaro Sergio
Ich arbeite seit 1995 bei der ZUVO seit dieser Zeit gab es keinen Rappen mehr Lohn.Im gegenteil 1996 als das Tagblatt am Samstag eingestellt wurde hat die Zuvo uns den Lohn um 10% gekürzt,im November 06 gibts das Tagblatt nur noch am Mittwoch und Touren werden mit weniger Minuten gezahlt.Dafür vertragen in der Stadt Zürich bis zu 7 Titel. Ich bin seit 6 Jahren auch Sonntagsvertäger ,am Sonntag gibts bis jetzt noch keine Lohnkürzung!!! Eine Bitte an alle Verträger(innen) schreibt bei Eis und Schnee immer 20 min auf für die mehrarbeit,mir wurde immer alles vergütet!!!

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