Sauer stiess ihr die Begleitpost auf, die weit mehr als die üblichen Floskeln des Bedauerns enthielt: «Gründen Sie Ihre eigene kleine Firma und arbeiten Sie von zu Hause aus!», forderte Niklaus Portner, Geschäftsführer der Mercedes-Benz-Niederlassungen in Rohr und Neuendorf, Marion Bussacker auf. Auf der Rückseite des Absagebriefs war der «Erfolgsbericht» eines Firmengründerpaars kopiert, das sich dank der erfolgreichen selbstständigen Verkaufstätigkeit für den amerikanischen Kosmetik- und Nahrungspulververtrieb Herbalife endlich ein Traumauto leisten konnte. Das Unternehmen mit Sitz in Los Angeles ist wegen seines schneeballähnlichen Verkaufssystems äusserst umstritten.

Er habe lediglich arbeitslosen Frauen «Hilfe zur Selbsthilfe» bieten wollen, verteidigt sich der Mercedes-Filialleiter. Er versteht die Aufregung über seine total rund 100 Briefe umfassende Herbalife-Werbeaktion überhaupt nicht und weist den Vorwurf, es sei ihm um Profit gegangen, weit von sich.

Das schlechte Image der US-Firma störte dabei weder ihn noch seine Ehefrau. Portners Gattin arbeitet seit sechs Jahren als Herbalife-Beraterin.

Mercedes-Benz indes beurteilt den Fall als «gravierend». Von einem Geschäftsleiter werde erwartet, dass «er sich der Reaktion bewusst ist, die er mit einem solchen Brief auslöst». Auf Ende Oktober dieses Jahres muss der vermeintliche Mildtäter seinen Schreibtisch räumen.

Quelle: Renate Wernli