Lienert ist geistig behindert und bezieht eine IV-Rente. Die Arbeit - Lienert stellte unter anderem die Einkaufswagen zusammen und half im Gemüserayon aus - gab ihm eine feste Tagesstruktur ausserhalb einer geschützten Werkstätte. Eine bessere Integration in die Arbeitswelt hätten sich die Eltern Lienert für ihren Sohn nicht wünschen können.

Doch jetzt hat die Migros Pascal Lienert gekündigt. Kunden hätten reklamiert, er sei ihnen gegenüber ausfällig geworden und aggressiv aufgetreten. Auch mit den anderen Mitarbeitenden hätte es zunehmend Konflikte gegeben. Kurz: Lienert sei nicht mehr tragbar und passe nicht mehr ins Konzept, beschied der Filialleiter des Supermarkts Lienerts Eltern.

Ein Opfer des Konkurrenzkampfs?

Die Behinderung, eine psychoorganische Störung, bedingt in der Tat, dass Veränderungen den jungen Mann schnell aus dem Konzept bringen können. Da in der Migros in Thalwil derzeit umgebaut wird, ist Flexibilität verlangt. Das machte Pascal Lienert Mühe - etwa wenn ein Auto auf dem für die Einkaufswagen reservierten Parkfeld stand. Der junge Mann muss dabei Grenzen überschritten haben, wie sein Vater Harald Lienert nachträglich in Erfahrung brachte. Das Pech seines Sohnes ist, dass man ihm die Behinderung nicht ansieht.

«Wir verstehen, dass Pascals Reaktion nicht toleriert werden kann», erklärt sein Vater. Von der Migros, die stets ihr soziales Engagement betont, hätte man jedoch mehr Gesprächsbereitschaft erwartet - auch um nach allfälligen Lösungen gemeinsam suchen zu können. So haben die Eltern Lienert mehrfach darum gebeten, sie bei Problemen anzurufen. Doch Kontakt mit dem Filialleiter hatten sie nur einmal: an dem Tag, als die Kündigung ausgesprochen wurde. Die Intervention bei der Personalabteilung der Genossenschaft Zürich hatte keinen Erfolg. Harald Lienert bleibt nur die Feststellung: «Unter dem Konkurrenzdruck hat wohl die Philosophie der Migros im Umgang mit Behinderten geändert.»