Tja, Anna Maier. Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Mit Begeisterung gab kürzlich der Privat-TV-Sender 3+ bekannt, Sie würden bald eine neue Promishow moderieren. Doch zwei Wochen vor der ersten Sendung haben Sie den Job überraschend geschmissen. Das Konzept sei «sexistisch und primitiv», polterten Sie. Eine Zumutung. Nicht mit Ihnen!

Ihr Arbeitgeber hatte verständlicherweise keine Freude und will Ihnen jetzt eine gesalzene Rechnung schicken. Immerhin hätten Sie einen Vertrag gebrochen.

So ganz daneben liegt der Mann nicht. Schon im römischen Recht galt: «Pacta sunt servanda» Verträge sind zu halten. Gemäss Gesetz kann ein Arbeitgeber einen Viertel des vereinbarten Monatslohns als Schadenersatz verlangen, wenn der Arbeitnehmer ohne wichtigen Grund eine Stelle absagt.

Beweisführung wäre schwierig

Ein wichtiger Grund wäre, wenn man Sie bei Vertragsabschluss getäuscht oder Ihnen etwas Entscheidendes verschwiegen hätte. Sie müssten also vor Gericht den nicht einfach zu führenden Beweis erbringen, dass man Ihnen nicht deutlich genug gesagt hat, worauf Sie sich einlassen.

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Versuchen Sie also besser, den Gang vor den Kadi zu verhindern, indem Sie mit Ihrem Fast-Arbeitgeber über eine Vertragsauflösung verhandeln. Als Argument könnten Sie einbringen, dass dem Sender noch viel grössere Umtriebe entstanden wären, wenn Sie die Stelle während der Probezeit kurzfristig gekündigt hätten. Dann wäre auch kein Schadenersatz fällig geworden.

Hinzu kommt, dass in den letzten Wochen viele Medien ausführlich über Ihren kurzfristigen Sinneswandel berichtet haben. So gesehen ist Ihr Absprung eher ein Glücksfall als ein Fall für den Richter: Der Sender kam dank Ihnen zu einem netten Werbeeffekt.

Beste Grüsse, Ihre Gabriela Baumgartner