Beobachter: Steht bei Leuten, die bisher schwarz eine Putzfrau beschäftigt haben, demnächst die Polizei vor der Tür?
Beat Zutter: Unsere Arbeitsmarktinspektoren suchen nicht aktiv nach illegal arbeitenden Putzfrauen, schon gar nicht mit Hilfe der Polizei. Es wird keine Putzfrauenhatz geben.

Beobachter: Wie will man dann Schwarzarbeit in diesem Sektor aufdecken?
Zutter: Meistens erhalten wir Hinweise aus der Bevölkerung. Jemand denunziert einen Nachbarn. Dann schicken wir unsere Inspektoren los. Der Beizug der Polizei wird erst nötig, wenn ihnen jemand den Zutritt verweigert oder nicht bereit ist, die nötigen Unterlagen offenzulegen.

Beobachter: Sie werden keine zufälligen Stichproben durchführen?
Zutter: Bestimmt nicht. 2007 hatten wir rund 500 Schwarzarbeitsmeldungen, nur zehn davon betrafen die Reinigungsbranche. Seit Januar, also seitdem das Gesetz gegen Schwarzarbeit in Kraft ist, hatten wir im Kanton Bern noch keinen einzigen Hinweis auf illegal arbeitende Putzfrauen. Für uns sind sie, im Gegensatz zu Schwarzarbeitenden im Gastgewerbe und auf dem Bau, ein marginales Problem.

Beobachter: Das erstaunt. Immerhin arbeiten Tausende von Putzfrauen schwarz. Greift das Gesetz nicht?
Zutter: Oh doch! Die Anmeldungen für Angestellte in Privathaushalten sind stark gestiegen. Allein in unserem Kanton gab es im Januar 125 Anmeldungen. Die Leute sind sensibilisiert. Und sie nutzen das neue, vereinfachte Abrechnungsverfahren. Der Arbeitgeber muss nur noch ein Anmeldeformular ausfüllen. Alle weiteren administrativen Arbeiten, die bei der Anstellung einer Putzfrau anfallen, übernimmt die AHV-Ausgleichskasse. Sie meldet die Putzfrau bei einer Unfallversicherung an oder holt, wo nötig, eine Arbeitsbewilligung ein.
Beobachter: Was blüht denen, die ihre Putzfrau bis jetzt nicht angemeldet hatten und dies jetzt nachholen wollen?
Zutter: Wenn jemand freiwillig meldet, dass er seine Putzfrau schon seit Jahren illegal arbeiten lässt, muss er Quellensteuer und AHV-Beiträge nachzahlen. Das neue Gesetz bedeutet nicht Amnestie. Wir sind aber auch keine Schnüffelpolizei, die in den Akten vergangene Sünden ausgräbt.

Beobachter: Das vereinfachte Abrechnungsverfahren ändert nichts an den schlechten Arbeitsbedingungen von Angestellten in Privathaushalten. Wer seiner Putzfrau das Gehalt bei Krankheit nicht fortzahlen oder ihren miserablen Lohn nicht erhöhen will, muss das auch in Zukunft nicht.
Zutter: Lebensqualität ist Sache der Eigenverantwortung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Das vereinfachte Abrechnungsverfahren begünstigt immerhin, dass die Illegalität aufhören kann.