Der Sicherheitsmann der Kioskbetreiberin Valora in Dübendorf ging rabiat zu Werk: Einer Verkäuferin griff er nach der Handtaschenkontrolle gleich noch in die Gesässtasche. «Ich kam mir vor wie eine Kuh auf dem Viehmarkt», sagt Michaela Kellerhals (Name geändert). Zum Vorschein kamen sechs alte Lose, für die sie aber keine Quittung mehr hatte.

Tags darauf wurde Kellerhals vor die Wahl gestellt: Entweder sie kündige und verzichte während der Kündigungsfrist auf den Lohn, oder man werde sie wegen Diebstahls verzeigen – mit der unverhohlenen Drohung, sie finde mit einem Strafregistereintrag keine Stelle mehr. Die Verkäuferin liess sich nicht einschüchtern und schaltete ihren Anwalt ein. Der verklagte die Valora wegen falscher Anschuldigung, Nötigung und versuchter Erpressung.

Valora betont, von falscher Anschuldigung könne keine Rede sein, die Sachlage sei klar. Deshalb sei gegen Kellerhals Strafanzeige eingereicht worden, sagt Sprecherin Stephanie Krieger. Zudem sei die Mitarbeiterin «respektvoll und korrekt» behandelt worden. «Valora verwahrt sich in aller Form gegen den Vorwurf des schikanösen Vorgehens», betont Krieger. Immerhin zahlt sie nun den Lohn für die Zeit der Kündigungsfrist. Michaela Kellerhals ist aber nach wie vor stellenlos.

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Und ein Blick ins Portemonnaie

Solche internen Kontrollen sind bei Valora keine Einzelfälle. Sie sind seit Jahren berüchtigt. Kioskfrauen müssen nebst der Handtasche auch ihr Portemonnaie öffnen. Können sie nicht begründen, weshalb sie über 30 Franken auf sich tragen, werden sie des Diebstahls verdächtigt.

Kontrollen dieser Art sind nur «bei ganz konkretem Verdacht auf kriminelle Tätigkeiten oder andere Missbräuche» zulässig, sagt Eliane Schmid, Sprecherin des eidgenössischen Datenschützers. Ein Griff in die Gesässtasche sei «unverhältnismässig». Angestellte dürfen sich solchen Kontrollen verweigern. Valora müsste in diesem Fall die Polizei einschalten.