Wer kennt das nicht? Einige Mitarbeiter gehen immer wieder nach draussen, um eine Zigarette zu rauchen, während man selbst am Arbeitsplatz sitzen bleibt und emsig weiter arbeitet. Ist es fair, wenn Raucher häufiger Pause machen?

Ja, meinen die meisten Raucher. Schliesslich fördere es den Teamgeist, wenn man in einer Gruppe nach draussen geht und diskutiert. Und selbst wenn ein Raucher allein an seinem Glimmstängel zieht, sei diese Pause dazu da, den Kopf zu lüften oder neue Inspiration zu sammeln. «Sechs Pausen, die fünf Minuten dauern, sind genau gleich lang wie zwei Pausen an jeweils 15 Minuten», rechnet ein rauchender Mitarbeiter vor.

Nein, sagten sich allerdings die Teamleiter des Schulheims Schillingsrain in Liestal. Die Baselbieter verfolgen einen interessanten neuen Ansatz, wie die «Basler Zeitung» in ihrer Ausgabe vom Dienstag schrieb. Ein an die Institutionsleitung gerichteter Antrag fordert: «Mitarbeitende, die während er Arbeitszeit nicht rauchen, erhalten einen Vorbildbonus in Form von zusätzlichen fünf Ferientagen jährlich». Einerseits soll so ein Anreiz geschaffen werden, dass rauchende Mitarbeiter mit ihrem Laster aufhören. So seien sie seltener krank und damit häufiger am Arbeitsplatz. Andererseits sollen die Schüler von «guten Vorbildern» betreut werden. Ob der Antrag bewilligt wird, entscheidet sich erst in einigen Monaten.

Expertin: «Das führt zu Spannungen»

Ist eine solche Regelung sinnvoll? «Rechtlich gesehen ist es durchaus möglich, vertraglich zu vereinbaren, dass Angestellte, die am Arbeitsplatz nicht rauchen und somit keine zusätzlichen Pausen machen, mit mehr Ferien belohnt werden», sagt Irmtraud Bräunlich Keller, Arbeitsrecht-Expertin im Beobachter-Beratungszentrum. «Doch ich würde das sorgfältig prüfen. Eine solche Massnahme führt höchstwahrscheinlich zu Diskussionen und Spannungen zwischen Rauchern und Nichtrauchern.» Um dies zu vermeiden, sei es sinnvoll, im Betrieb vorgängig offen zu diskutieren und abzuklären, ob eine solche Massnahme von allen mitgetragen werde.

Für Schulen gelten andere Regeln

Im Prinzip ist es nicht zulässig, Angestellte aufgrund von privaten Verhaltensweisen zu benachteiligen. Allerdings gibt es zum hier beschriebenen Thema noch kein Gerichtsurteil. Als vor rund 7 Jahren gewisse Gemeinden angefangen haben, nicht-rauchende Lernende mit zusätzlichen Ferientagen zu belohnen, gab es dagegen keine Einwände.

Was die Einstellungspraxis betrifft, ist der Fall allerdings klar: In einem Bewerbungsgespräch dürfen nur Fragen gestellt werden, die einen klaren Bezug zur ausgeschriebenen Stelle haben. Fragen nach politischer, religiöser oder sexueller Orientierung sowie nach dem Gesundheitszustand sind nicht zulässig. Es sei denn, es handelt sich um sogenannte «Tendenzbetriebe». Das sind Betriebe, die neben finanziellem Gewinn auch erzieherische oder politische Ziele verfolgen. Da es sich beim Liestaler Schillingsrain um eine Privatschule mit erzieherischem Anspruch handelt, kann es gerechtfertigt sein, beim Bewerbungsverfahren ausschliesslich nach Nichtrauchern zu suchen.

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Quelle: Thinkstock Kollektion