Alle 14 Tage drängeln sich Kassiererinnen in den Coop-Filialen vor dem Anschlagbrett mit dem neuen Einsatzplan und notieren sich ihre Einsätze. Ann-Luise Müller (Name geändert) will sich diese Mühsal ersparen – und den Plan kopieren. Erstaunt nimmt sie zur Kenntnis, dass sie die 20 Rappen für die Kopie selber bezahlen muss.

«Keine finanziellen Hintergründe»
Kopien für alle Angestellten seien zu teuer, begründet der Geschäftsführer die Rappenspalterei gegenüber Ann-Luise Müller. Dies dementiert jedoch Coop-Sprecher Jörg Birnstiel: «Das hat keine finanziellen Hintergründe.»

Die entsprechende Regelung im Gesamtarbeitsvertrag (GAV) ist schwammig formuliert: «Die Arbeitspläne sind in der Regel zwei Wochen vor einem geplanten Einsatz mit neuen Arbeitszeiten bekannt zu geben.» Das stösst der Gewerkschaft Verkauf, Handel, Transport, Lebensmittel (VHTL) sauer auf: «Die Kosten für Gratiskopien wären minim», findet die Berner VHTL-Regionalsekretärin Vreny Vogt. «Allen Mitarbeitenden Einsatzpläne abzugeben wäre jedoch Ausdruck von Wertschätzung gegenüber unseren Mitarbeitenden.» Sie hofft auf eine Verbesserung im GAV 2005.

Die Migros ist etwas weniger knausrig, wie eine Umfrage des Beobachters in den zehn Genossenschaften ergibt: Mehrheitlich werden auf Wunsch Gratiskopien abgegeben. Nur im Tessin müssen Kassiererinnen ihr Exemplar selber berappen.

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